Moers: "Früher wurden die Camper bestaunt wie Zootiere"

Moers : "Früher wurden die Camper bestaunt wie Zootiere"

Sie haben es sich auf Gartenstühlen bequem gemacht, eine Gruppe von Freunden, deren Zelt seit Donnerstag auf der Wiese am einstigen Solimare steht. Seit 1978 sind sie bei jedem Moers Festival dabei, dafür kommen sie aus Köln, aus Aachen, aus der Gegend von Salzburg und Stuttgart. Und sie können viel erzählen. "Früher haben uns die Moerser bestaunt wie Zootiere", sagt Roland Wiese und grinst. Das war zu den Zeiten, als im ganzen Park gecampt werden durfte. Nun, am Solimare, fühlen sich die Freunde ein wenig "an den Rand gedrängt", meint Peter von Allenstein aus Köln. Auch Ruth Montnacher steuert etwas Nostalgie bei: "Früher war die Atmosphäre festivalmäßiger." Und Wiese ergänzt: "Es fehlt der Hauch der Anarchie."

Da ist was dran. Die Stimmung rund um die Zelte hat was von Familienausflügen. Ploppend werden Tupperware-Behälter mit Obstsalat geöffnet, die jüngere Generation spielt Federball. Das Wetter könnte besser kaum sein: sonnig, aber nicht übermäßig heiß.

Immerhin schon seit 15 Jahren sind zwei Aachenerinnen dabei, die sich Anna und Inna nennen. "Der Platz ist super", meint Anna, aber ihre Begleiterin ist nicht ganz ihrer Meinung. Immerhin geben beide zu: "Die Akustik in der Halle ist besser, die sanitären Anlagen auch." Die beiden 30-Jährigen sind vor allem wegen Colin Stetson, dem Headliner des Festivals, hier.

Jörg Krüger müsste eigentlich gar nicht campen. "Ich komme aus Neukirchen-Vluyn", sagt er und lächelt unwillkürlich. Also liebt er das Camping-Erlebnis? "Nein, ich bin schon eher wegen der Musik hier. Aber es ist so praktischer." Zudem trifft der 48-Jährige hier auch Freunde. Die Neuerungen der vergangenen Jahre hätten Vor- und Nachteile, meint Krüger. "Früher war man halt mehr im Mittelpunkt des Geschehens. Heute ist das Zelt zum Essen und zum Schlafen da."

(RP)
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