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Froschschenkel: Mann aus Moers will Verkauf stoppen

Streit um „Delikatesse“ : Moerser will Verkauf von Froschschenkeln stoppen

Ein Moerser beklagt, dass Restaurants in der Stadt Froschschenkel servieren. Ein Unding, findet er - schließlich töte man die Tiere in Asien auf brutalste Weise, während sie bei uns unter Schutz stehen.

Eigentlich, so dachte Roland Menzel, hat er in der City ein tolles Lokal gefunden. Ein üppiges Buffet, die Gerichte frisch, stets ein freundlicher Service, dazu noch faire Preise. Eben ein bisschen schlemmen vom Feinsten. Dann hat Menzel die Froschschenkel auf der Speisekarte gesehen. "Da hat sich mir sofort der Magen umgedreht", sagt der 57-jährige Moerser, der noch am selben Abend eine Beschwerdemail an das Restaurant schickt und sich darüber beklagt, dass man dort die französische Delikatesse bestellen kann. Bisher hat er keine Antwort bekommen.

Die Kritik: Frösche, die für das Ökosystem enorm wichtig sind, sollen in Asien auf brutalste Weise geschlachtet werden und landen dann neben Rind, Schwein und Huhn, für deren Zucht in Deutschland strenge Regeln gelten, auf unseren Teller. Und das obwohl Frösche hierzulande unter besonderem Schutz stehen und nicht gefangen werden dürfen. "Das darf doch einfach nicht wahr sein", sagt Menzel. "Die Tiere kommen aus dem Ausland, meist werden sie dort in der Wildnis gejagt. Dann reißt man ihnen lebend die Beine raus." Menzel ist empört und überlegt, das Lokal in Zukunft nicht mehr zu besuchen.

Das sagen die Anbieter

Doch was ist an den Vorwürfen dran? Der Inhaber war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auf der Speisekarte im Internet tauchen allerdings tatsächlich Froschschenkel auf. Und damit ist das Lokal nicht allein. Auch andere Restaurants bieten die Beine der bedrohten Amphibien an. Einer der Betreiber sagt im Gespräch mit unserer Redaktion: "Wir kaufen die Froschschenkel fertig bei einem Großhändler in den Niederlanden." Die Tiere seien aber artgerecht gehalten worden und stammen nicht von der Jagd sondern aus der Zucht. "Das hat man mir garantiert", sagt der Mann. Aus welchem Land die Frösche genau kommen, weiß er auf Nachfrage nicht.

Die heimischen Frösche stehen in Europa unter Artenschutz. Sie zu schlachten, ist verboten. Aus diesem Grund importiert die Europäische Union jedes Jahr mehr als 5000 Tonnen Froschschenkel.

Das sagen Tierschützer

"Knapp 80 Prozent der Frösche, die in Europa ankommen, stammen aus Indonesien", sagt Sandra Altherr von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. Das entspricht mehr als 100 Millionen Tiere. Deren Fleisch ist besonders in Frankreich, Belgien und den Niederlanden begehrt. Die dortigen Händler beliefern auch deutsche Restaurants, so wie das in Moers. "Unklar ist allerdings oftmals, ob die Tiere von Farmen oder aus der Wildnis kommen. Die Natur liefert natürlich billiger", sagt Altherr. Dort würde man die Frösche mit dem Speer im Reisfeld fangen und ihnen mit einer Schere die Beine abschneiden. Dann werde der lebende Körper einfach weggeworfen. "Dazu kommt, dass wir wissen, dass die heute importierten Tiere von einer sehr stark bedrohten Art stammen. Die Frösche, die man früher gegessen hat, tauchen in europäischen Küchen kaum mehr auf. Deshalb gehen wir davon aus, dass es kaum mehr welche von ihnen gibt", sagt Altherr. Sie fordert, dass Frösche nur noch importiert werden dürfen, wenn sie internationale Schutzbestimmungen erfüllen.

Und Menzel? Er glaubt nicht, dass seine E-Mail etwas ändert. "Es ist doch kaum jemandem bewusst, wo das Essen herkommt." Im Restaurant hat er noch etwas anderes auf der Speisekarte entdeckt, was ihn ärgert: Suppe aus Haiflossen.

(atrie)