Moers: Frierende Fahrgäste, ruppiger Ton

Moers : Frierende Fahrgäste, ruppiger Ton

Eine Dame aus Schaephuysen ärgert sich über die Niag. Dabei geht es auch um die Länge der Fahrerpausen.

Auf die Niag, das öffentliche Verkehrsunternehmen der Region, ist Ingrid Osterloh derzeit nicht gut zu sprechen. Die Einwohnerin von Schaephuysen wartete am vergangenen Sonntag an einer Haltestelle in Vluyn auf einen Bus. "Für die vermüllte Haltestelle ohne Sitzgelegenheit und Wartehäuschen kann die Niag nichts", schreibt sie. Doch der Bus, die Linie 929, habe bereits in etwas Entfernung von der Haltestelle gewartet. "Drinnen sitzt ein Busfahrer und spielt auf seinem Smartphone. Draußen ist es kalt."

Der Fahrer habe jedoch keine Anstalten gemacht, die in der Kälte bibbernden Wartenden einzulassen. Als er schließlich zur Haltestelle vorgefahren sei und die Türen öffnete, habe eine Dame gefragt: "Warum machen Sie denn jetzt erst die Türe auf?" Der Fahrer, so schildert Ingrid Osterloh, habe ausgesprochen barsch reagiert und erklärt, er habe Pause gehabt.

Osterloh versichert, dass eine solche Behandlung häufiger vorkomme. "Ein ähnlich ruppiges Verhalten habe ich mir als alte Frau nun schon zum wiederholten Male am Vluyner Südring gefallen lassen müssen. Wenn die Niag meint, damit Kunden vom Auto in öffentliche Verkehrsmittel locken zu können, dürfte sie auf dem Holzweg sein." Neben den regelmäßigen Preiserhöhungen und Streckenstreichungen, ätzt sie, könne man den Mitarbeitern "auch ein bisschen Benehmen gegenüber den Kunden beibringen."

Tobias Jakubowski, Fachbereichsleiter Produktion und stellvertretender Betriebsleiter bei der Niag, versicherte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Fahrer durchaus geschult werden, um sich freundlich und angemessen gegenüber den Fahrgästen zu verhalten. Die Niag verfüge über ein Beschwerdemanagement, dort können sich Kunden melden, wenn sie über etwas verärgert sind. "Die Zahl der Klagen über unfreundliche Fahrer ist aber unterdurchschnittlich", erklärt Jakubowski.

Was den Ärger der Fahrgäste über die geschlossenen Bustüren bei der Pause angeht, so folge der Fahrer damit lediglich einer gesetzlichen Vorschrift. "Die Haltestelle Vluyner Südring ist eine ausgewiesene Pausenhaltestelle." In den vorgeschriebenen Ruhephasen könne der Mitarbeiter machen, was er wolle. Wenn er dagegen Fahrgäste hereinlasse und Tickets ausgeben müsse, falle das wieder unter Arbeit. Das sei nicht erlaubt. Und so bleiben die Türen auch bei Frostwetter zu, so lange die Pause dauert.

Ingrid Osterloh kam gestern auf Anfrage unserer Zeitung bei dem Thema Niag rasch in Fahrt. "So etwas muss man sich gefallen lassen", beklagt sie. "Ich bin über 80 Jahre alt. Aber da könnte selbst eine Hundertjährige draußen in der Kälte stehen, der Fahrer würde trotzdem die Türen zu lassen." Der Abfahrtszeit vom Vluyner Südring sei 9.15 Uhr gewesen, die Türen seien aber erst gegen 9.17 Uhr geöffnet worden. Der Fahrer habe die Frauen angeraunzt, sie sollten gefälligst nicht "mit der Nase an der Türscheibe" kleben, so schildert es Ingrid Osterloh.

Hat sie sich denn ans Beschwerdemanagement der Niag gewandt? "Das habe ich längst aufgegeben", sagt sie. Dort werde immer alles abgestritten. "Es steht ja Aussage gegen Aussage." Allerdings räumt sie ein: "Es gibt auch freundliche Busfahrer."

(s-g)
Mehr von RP ONLINE