Neukirchen-Vluyn: Freunde in Frankreichs plattem Land

Neukirchen-Vluyn : Freunde in Frankreichs plattem Land

Vor 50 Jahren besiegelte der Elysée-Vertrag die neue deutsch-französische Freundschaft. Ein Jubiläum feiert auch das Julius-Stursberg-Gymnasium. Seit 20 Jahren besteht eine Partnerschaft mit einem "Collège" in Mouvaux.

Heute feiern Deutsche und Franzosen den 50. Jahrestag des Elysée-Vertrages. Ein rundes Jubiläum gibt es auch beim Julius-Stursberg-Gymnasium in Neukirchen-Vluyn: Seit 20 Jahren besteht die offizielle Partnerschaft mit dem "Collège Maxence van der Meersch" in Mouvaux. Regelmäßig findet zwischen beiden Einrichtungen ein Schüleraustausch statt. Auf deutscher Seite wird er von den Französisch-Lehrern Helga Brendgen und Erich Carl betreut.

Was die Landschaft betrifft, mussten sich die Schüler auf beiden Seiten nicht groß umgewöhnen. "Mouvaux gehört zum französischen Teil Flanderns, es ist ein Vorort von Lille", sagt Carl. "Das Land ist dort ähnlich platt wie am Niederrhein." Und die Kirchen seien wie hierzulande aus Backsteinen gebaut. Wer den Film "Willkommen bei den Schtis" gesehen hat, könne sich ein gutes Bild der Gegend machen. "Die Küste ist aber deutlich näher als für uns."

Deutsche Schüler, die den Schüleralltag in Mouvaux erleben, lernen vor allem zwei Dinge. Erstens: Es gibt in Frankreich kein so differenziertes Schulsystem wie in Deutschland. Die "Collèges" sind Gesamtschulen vergleichbar, der Abschluss der Mittleren Reife. Wer das Abitur ("baccalaureate", kurz "bac") machen möchte, muss anschließend noch ein "Lycée" besuchen, das unserem Gymnasium entspricht. Ein weiterer Punkt: "Dort wird mehr Wert auf Disziplin gelegt", sagt Erich Carl. Stramm zu stehen, wenn der Lehrer den Klassenraum betritt, sei im "Collège" von Mouvaux durchaus noch üblich. "Das ist aber nicht in allen Gegenden Frankreichs so", sagt Carl. "Den Nordfranzosen sagt man nach, dass sie manchmal recht ,preußisch' sind."

Der Elysée-Vertrag ist nach Carls Einschätzung im historischen Bewusstsein der Deutschen stärker verankert als auf französischer Seite. "Das lag natürlich auch daran, dass Deutschland nach dem Krieg nicht hoch angesehen war. De Gaulle hat Adenauer und der BRD sozusagen den Ritterschlag verliehen." Und dafür waren die Deutschen dankbar. Trotz dieser unterschiedlichen Wahrnehmung sei das Verhältnis tatsächlich sehr herzlich. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir bei unseren Besuchen in Mouvaux Feindseligkeiten erlebt hätten", berichtet der Pädagoge. Im Gegenteil, die Deutschen seien weitaus beliebter als andere Ausländer. Manche Ferienhausbesitzer vermieteten sogar mit Vorliebe an deutsche Gäste, weil diese im Ruf stehen, besonders ordentlich und sauber zu sein.

Bei allen gegenseitigen Besuchen stehen natürlich auch Tagesfahrten auf dem Programm. Beliebte Ziele der Deutschen sind Paris und der Ärmelkanal. "Und wir unternehmen mit den Gästen meist eine Reise zum Drachenfels", sagt Erich Carl. So stellen sich halt viele Franzosen Deutschland vor: Fachwerkhäuser und Rheinromantik. Aber auch Köln und Bonn werden als Ziele angefahren.

In laufenden Jahr wird es mit dem deutsch-französischen Schüleraustausch weitergehen. "Im März ist der nächste Termin", sagt der Lehrer. Der Austausch betrifft die Jahrgangsstufe 9, das heißt, die Schüler sind etwa 14 Jahre alt.

Eine heikle Frage noch: Ist das französische Essen wirklich so viel besser als das deutsche? Erich Carl ist amüsiert: "Zumindest das französische Frühstück ist ziemlich karg. Das ist eigentlich nur ein Croissant mit etwas Kaffee und wird sozusagen zwischen Tür und Angel eingenommen." In diesem Punkt haben die Deutschen offenbar mehr Lebensart.

(RP/rl)