Frauenempfang in Moers: Worauf Frauen im Leben stolz sein können.

Frauenempfang in Moers : Worauf Frauen im Leben stolz sein können

„Mehr Stolz, Ihr Frauen“ so lautete das diesjährige Motto des von der Gleichstellungsstelle veranstalteten Frauenempfangs im Martinstift.

Mehr als 130 Frauen jeden Alters waren der Einladung gefolgt und erlebten dabei gut zwei Stunden lang ein geselliges Programm aus Musik, Informationen, kleinen, kulinarischen Leckerbissen und vielen guten Gesprächen. Genau 100 Jahre ist es her, dass den Frauen in Deutschland offiziell das politische Wahlrecht eingeräumt wurde. Was damals eine Sensation war, ist heute so selbstverständlich wie die Verankerung der Gleichberechtigung von Mann und Frau im deutschen Grundgesetz. Dennoch, so beklagte der stellvertretende Moerser Bürgermeister Ibrahim Yetim in seiner Begrüßungsrede, gebe es was die Anzahl weiblicher Parlamentsmitglieder angehe, „noch immer ganz viel Nachholbedarf“. „Es gibt heute so viele stolze und mutige Frauen, die uns etwas zu sagen haben“, erklärte er unter dem Applaus der anwesenden Damen.

„Die junge Umweltaktivistin Greta Thunberg zum Beispiel, oder die Frauen, die derzeit im Iran auf die Straße gehen, um sich gegen einen Kopftuchzwang zu wehren.“ „Der Stolze kann missfallen“ zitierte die Moerser Gleichstellungsbeauftragte Barbara Folkerts anschließend in einer kleinen Einführungsrede die einstige Mitstreiterin für das Frauenwahlrecht Hedwig Dohm, „aber man verachtet ihn nicht.“ In diesem Sinne hatte sie und ihr Organisationsteam für diesen Vormittag elf Moerser Frauen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen gebeten, auf der Bühne in einem kurzen Vortrag über Dinge aus ihrem Leben zu berichten, die sie irgendwann einmal stolz gemacht haben oder immer noch machen.

Dabei war es den meisten anfangs wie der neuen Moerser Stadtarchivarin Daniela Gillner ergangen. „Was hast du denn schon vorzuweisen?“, hatte sie sich nach dem ersten Vorbereitungstreffen etwas ratlos gefragt. „Worauf sollte ich schon stolz sein? Dass ich in meinem Lieblingsberuf arbeite und außerdem noch begeisterte Mutter zweier Kinder bin?“ „Das war doch eigentlich mein Job“, hatte auch die 53-jährige, diplomierte Verwaltungsangestellte und Mutter Kirsten Wortmann gedacht, als sie vor einigen Jahren den ersten Moerser Aktionstag für Menschen mit und ohne Behinderungen organisiert hatte. „Ich bin schon auf vieles in meinem Leben stolz, würde aber mich dafür nie in der Öffentlichkeit zu loben“, erklärte die 43-jährige gelernte Industriekauffrau und jetzige Unternehmensberaterin Renate Träger den Grund für die leider immer noch vorhandene Bescheidenheit vieler heutiger Powerfrauen.

„Fordere immer mehr, als du dich traust, damit du am Ende das bekommst, was dir zusteht“, lautete die Antwort der Werbetexterin Gudrun Tersteegen darauf. Ein Rat, dem sich die 1943 geborene Beate Wöhler nur anschließen konnte. Sie hatte, wie viele junge Frauen ihrer Zeit, bereits sehr früh geheiratet und wenig später ihre beiden Kinder alleine groß gezogen, dann im bereits schon fortgeschrittenenen Alter noch einmal Musik studiert, 2013 eine Band gegründet, und im letzten Jahr mit einer „seniorinnengerecht“ geänderten Textversion von Peter Alexanders „Mit 66 Jahren…“ sogar an einer Talentshow im Fernsehen teilgenommen.

Ihr gesanglicher Auftritt war an diesem Samstag der krönende Abschluss des diesjährigen Moerser Frauenempfangs. Für die übrige musikalische Untermalung sorgten zwischendurch Dr. Sarah Brasack und Eva Marxen.

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