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Forstwirt appelliert in Moers-Kapellen: Stadtbäume brauchen Hilfe

Fachmann führt durch Moers-Kapellen : Forstwirt appelliert: Stadtbäume brauchen Hilfe

Norbert Bösken, Baumsachverständiger, führte auf Einladung der Grünen durch Kapellen und zeigte, wie Bäume unter Trockenheit und Klimawandel leiden.

Treffpunkt Spielplatz im Kapellener Freizeitpark: Die Moerser Grünen hatten zum „GehSpräch“ eingeladen. Bei dem Rundgang durch Kapellen zeigte Forstwirt und Baumsachverständiger Norbert Bösken, welche Auswirkungen der Klimawandel auf Stadtbäume, Wohnsiedlungen und das Stadtklima hat.

Der Kapellener Freizeitpark bot genügend Anschauungsmaterial, dass es mit der lokalen grünen Lungen nicht zum Besten bestellt ist. Früher Laubabwurf, Totholz, massive Schäden an Buchen und Eichen waren nur einige Beispiele für den fortschreitenden Klimawandel. Stürme, Trockenheit und Hitze machen sich im Stadtklima und beim Baumbestand bemerkbar. Auch wenn es über Stunden und Tage stark regnet, fließt das Wasser ab, ohne in den Boden zu dringen. Um den Zustand der trockenen Böden zu demonstrieren, schwang Norbert Bösken einen Hammer, mit dem er den Bodenbohrstock metertief in den Boden trieb. Das Ergebnis war ernüchternd. Die Spitze der Bodenprobe war staubtrocken, feinstes Erdmehl rieselte.

Die Dürre bereits im dritten Jahr mache den Bäumen schwer zu schaffen. Ihre ökologische Funktion mit Nutz-, Schutz- und Erholungswert ist nicht nur gefährdet, sondern bereits ausgesetzt. Bösken wies auf zwei Birken nahe der Spielgeräte hin. „Diese Birken sollten die Spielfläche beschatten und Schutz geben. Da sie nicht ausreichend Wasser in der Tiefe bekommen, vertrocknen sie.“ Baumarten wie Ulme, Esche oder Eiche werden aus dem Stadtbild verschwinden, weil sie dem Wechsel von Frost, Hitze und Trockenheit nicht standhalten und anfälliger für Pilzerkrankungen und Schädlinge sind.

Bösken: „Wir sind auf der Suche nach dem Baum der Zukunft und werden auf Arten aus dem Mittelmeerraum zurückgreifen.“ Hitzeverträgliche Arten wie Amber- und Blauglockenbaum und andere „Erhaltungszüchtungen“ seien im Gespräch.

Der Weg führte auch zur Nahstraße mit ihren „autogerechten“ versiegelten Flächen. In typischer Bauweise der 1950 bis 60er Jahre bietet sie wenig Schatten durch Bäume an und speichert zugleich Hitze. Bösken forderte ein Umdenken. „Wenn wir eine Klimaanpassung im öffentlichen Raum erreichen wollen, müssen eindringliche Appelle in Richtung Politik und Verwaltung gehen, städtebauliche Förderprogramme in Anspruch zu nehmen. Moers braucht Unterstützung.“ Er sprach das Konzept der so genannten Schwammstadt an, das mit Regenwassermanagement anfallenden Niederschlag wie einen Schwamm aufnimmt, verzögert wieder abgibt. Das verbessere das Stadtklima und fördere die Gesundheit der Stadtbäume.

(sabi)