Moers: Forscher sieht Widersprüche in AfD-Parteiprogramm

Moers: Forscher sieht Widersprüche in AfD-Parteiprogramm

Helmut Kellershohn analysierte die AfD-Inhalte.

"Niemand liest Parteiprogramme." Das sagt der Volksmund überspitzt. Ganz stimmt das nicht, da der eine oder andere in Parteiprogrammen blättert - so auch Helmut Kellershohn. Der 67-jährige Mitarbeiter des Duisburger Institutes für Sprach- und Sozialforschung, der bis vor zwei Jahren am Gymnasium in den Filder Benden Geschichte und Religion unterrichtete, hat sich intensiv mit dem Parteiprogramm der Alternative für Deutschland auseinandergesetzt.

"Dabei ist der AfD das Programm nicht wichtig", sagte er Donnerstagabend im Evangelischen Gemeindezentrum in Moers-Hülsdonk, wo er unter dem Titel "AfD - Rechtspopulismus im Aufwind?" einen Vortrag hielt. Für ihn hat diese Partei Ideen aus drei Denkrichtungen übernommen: Die eine ist eine christliche. "Die AfD sieht Ehe und traditionelle Familie als Keimzelle des Staates an", sagte Kellershohn. "Sie will die Drei-Kind-Familie finanziell fördern." Gedanken der christlichen Nächstenliebe fand er jedoch nicht. Stattdessen konnte der Referent neoliberale Strömungen im Parteiprogramm ausmachen, die einem Mindestlohn widersprechen. So setze die AfD auf Bürokratieabbau und blende Gedanken zur Sozialpolitik aus.

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Als dritte Denkrichtung arbeitet Helmut Kellershohn direktdemokratische heraus. Die AfD will mehr Dinge von den Bürgern entscheiden lassen. "So kann sie die Technik der Provokation einsetzen", analysiert der Referent. "Das ist Populismus. Die AfD-Politiker meinen, zu wissen, wie das Volk tickt und denkt." So werde der Parlamentarismus durch die Schlacht in den Medien ersetzt. Dabei sind für die AfD auch die Grundrechte kein Tabu, die für sie durch direkte Demokratie außer Kraft gesetzt werden könnten.

Die drei Denkrichtungen, die im Widerspruch stehen, werden durch den völkischen Gedanken vereinigt. Danach werde das Deutschsein auf die Abstammung reduziert, während Muslime und Flüchtlinge Ressentiments ausgesetzt sind. Danach sei die herrschende "politische Klasse" zu bekämpfen. Der Referent warnte davor, an einer Kritik an der AfD stehen zu bleiben. "Viel wichtiger ist es, eigene Positionen zu überdenken", sagte er.

(got)
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