Moers: Fleischhauer will Bürgermeister werden

Moers: Fleischhauer will Bürgermeister werden

Christoph Fleischhauer, 47 Jahre alt, Jurist, Stadtsportverbandsvorsitzender, will sich 2014 für die CDU zur Wahl stellen. Den Plan gab es schon seit Januar, die Partei hielt dicht – und stellte jetzt einen sehr siegessicheren Sportler vor.

Christoph Fleischhauer verrät sich, als er aufsteht und um den Tisch im Sitzungssaal der CDU herumgeht. Es sind seine Schuhe: keine lackigen Anzugschuhe, sondern eine Sneaker-Variante. Sie stehen für Christoph Fleischhauers Historie: lange Leistungssportler, Vorsitzender des Stadtsportverbandes, Kampfrichter, Handballschiedsrichter. Der dunkelblaue Nadelstreifenanzug darüber weist in die Zukunft: CDU-Mitglied Fleischhauer will 2014 Bürgermeister von Moers werden. "Ich stehe in den Startlöchern, ich will gewinnen", sagt er gestern bei einer Pressekonferenz, zu der Vertreter aller CDU-Organisationen gekommen sind: Junge Union, Seniorenunion, Mittelstandsvereinigung, der Parteivorstand. Demonstrative Geschlossenheit a la Moerser CDU.

Seit Januar hatte es bereits Sondierungsgespräche gegeben, wer für die CDU ins Rennen um den Bürgermeister-Posten gehen könnte. "Ingo Brohl und ich haben verschiedene Optionen diskutiert, und Christoph Fleischhauer ist ein optimaler Kandidat für die CDU", sagte Joachim Fenger, Stadtverbandsvorsitzender. Seit Januar war dementsprechend auch klar: Ingo Brohl, Fraktionsvorsitzender seit Anfang des Jahres, macht es nicht. Und das, obwohl diese Variante eine vieldiskutierte und für viele auch wahrscheinliche war. Aber: "Ingo Brohl als ,alter Apparatschik' wäre nicht überraschend gewesen", so Fenger. Und mächtig überraschen wollten die Christdemokraten mit ihrer Wahl – deshalb wurde der Eindruck, Brohl könnte es doch machen, nicht zerstreut, deshalb mussten die wenigen Eingeweihten bis zu dieser Woche stillhalten. Jetzt ist Christoph Fleischhauer froh, dass es raus ist. "Ich brenne richtig, ich möchte loslegen", sagte der Volljurist. Angst? Kein bisschen. Neugierde? Sehr viel. Fleischhauer, geboren in Geldern und aufgewachsen in Moers, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Er hat ein bisschen katholische Theologie und viel Jura studiert, betreibt seit 1995 eine Rechtsanwaltskanzlei in Moers. Fleischhauer sitzt in den Kirchenvorständen von St. Ida und St. Martinus, engagiert sich seit seiner Jugend im Sport. Politisch betrachtet ist Fleischhauer ein Spätberufener. "Ach, andere waren das auch", sagt der 47-Jährige und deutet fast unmerklich mit seinem Kopf auf das Bild, das hinter ihm an der Wand hängt. Darauf: Konrad Adenauer.

Jetzt für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren, erscheint Fleischhauer nicht sehr ungewöhnlich, sondern folgerichtig. "Im Stadtsportverband kann ich nur Empfehlungen abgeben, aber ich will zu den Mitentscheidern gehören", sagt er. Geschmeichelt habe er sich gefühlt, als Ingo Brohl und Joachim Fenger mit dem Vorschlag der Kandidatur an ihn herangetreten seien. Als er seiner Frau, dem großen Sohn und wenigen engen Freunden von der Idee erzählte, reagierte niemand überrascht. Eher, als hätten sie darauf gewartet, dass das passieren würde. Und auch Vertreter anderer Parteien haben, sagt Fleischhauer, früher schon gesagt, er wäre ein geeigneter Bürgermeisterkandidat. Den Stadtsportverbandsvorsitz will er – so der Vorstand nichts dagegen hat – zunächst behalten, sagt Fleischhauer. Falls er in einem Jahr auf dem Siegertreppchen steht, wäre dann ohnehin Schluss.

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Der Parteivorstand glaubt daran, dass die CDU mit Fleischhauer eine Chance gegen die SPD und Norbert Ballhaus hat. "In der Schwäche der Anderen liegt natürlich auch eine Chance", sagt Ingo Brohl. Aber: Man gucke nicht auf den Gegner, sondern auf sich. Sportlermentalität.

Ein Jahr ist es bis zur Kommunalwahl, das ist keine Kurzstrecke, sondern Langstreckenlauf. Bis zur Mitgliederversammlung am 13. Juli sollen die Leute ihn kennenlernen, nach den Sommerferien geht's in die programmatische Arbeit. "Ich freu' mich drauf", sagt Fleischhauer. Der Kommentar von Bürgermeister Norbert Ballhaus, der 2014 erneut antreten will, fällt kurz aus: "Ich kann nur zur Kenntnis nehmen, dass es in der CDU-Fraktion keinen geeigneten Kandidaten gibt."

(RP)
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