Moers: Festival ohne Perspektive

Moers: Festival ohne Perspektive

Seine Zukunft ist ungewiss: Vom 21. bis zum 24. Mai lockt das Moers Festival wieder Tausende Besucher in die Grafenstadt, vielleicht zum letzten Mal in bewährter Weise. Reiner Michalke stellte am Donnerstag das Programm vor.

21 Bühnen-Acts an vier Tagen: Festivalchef Reiner Michalke hat für das Pfingstspektakel noch einmal aus dem Vollen geschöpft ­ obwohl das vom Kämmerer verordnete Sparen schon in diesem Jahr beginnt. 35\x0e000 Euro stehen für die Realisierung weniger zur Verfügung, 2014 wird es richtig bitter. Dann müssen Michalke und seine Mitstreiter mit 175.000 Euro weniger im Etat auskommen.

"Wir können zurzeit weder zum Festival 2011 noch zur Verlängerung des Vertrages mit dem künstlerischen Leiter eine Aussage machen”, erklärte gestern Carmen Weist, Vorsitzende des Aufsichtsrats der Moers Kultur GmbH. Der Vertrag mit Reiner Michalke läuft am 24. Mai aus. Klarheit über die Perspektive des Festivals wird es erst am 12. Mai geben: Dann wird der Haushalt verabschiedet. Reiner Michalke, der in der nicht-öffentlichen Sitzung des Aufsichtsrats kräftig auf den Tisch gehauen hatte (RP berichtete), zeigte sich gestern zum Sparen bereit ­ wenn der Kern des Festivals erhalten bleibt. Einsparungen lediglich auf Kosten des Inhalts will der Festivalchef nicht mittragen. Sein Appell an die Moerser Politik: "Handeln Sie schnell. Es besteht dringender Handlungsbedarf für 2011.”

Förder-Absage aus Berlin

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Zum Pfingstspektakel, das Freitag, 21. Mai, startet, hat Reiner Michalke viele Altbekannte, aber auch Newcomer in den Freizeitpark eingeladen. Zwischen 1983 und 2004 trat Fred Frith mindestens 25 Mal auf dem Festival auf: "Er bringt es auf die meisten Auftritte”, betonte der Festivalchef gestern. Frith gastiert am Pfingstmontag mit seinem aktuellen Musikprojekt "Cosa Brava” in Moers. Mit Peter Brötzmann kehrt eine Legende des Moers Festivals zurück. Der Saxofonist bringt sein Chicago Tentet mit. Weitere bekannte Gesichter sind Terje Rypdal, der mit seiner Bergen Big Band erstmals das Projekt "Crime Scene” außerhalb Norwegens präsentiert.

Ein Wiedersehen gibt es auch mit Colin Stetson, der das Publikum im vergangenen Jahr als Solist begeisterte, und mit Arve Henriksen, der 2006 Artist in Residence auf dem Moers Festival war. Er steht am Pfingstsonntag zusammen mit dem Amerikaner Bill Frisell auf der Bühne im Festivalzelt. Doch keine Sorge. Die Veranstaltung blickt nicht nur zurück, sondern auch auf das, was sich derzeit in der aktuellen Musik so tut: Für Pfingstsamstag hat Michalke eine junge Truppe aus New York mit dem Zungenbrecher-Namen "Super Seaweed Sex Scandal” engagiert, die sich erst im letzten Jahr gegründet hat und somit erstmals in Europa auftritt. Premiere feiert auch das reaktivierte Grubenklangorchester, das Georg Graewe 1982 gegründet hatte und zur Ruhr 2010 neu beleben will. Mit dem Projekt "Sponde die Passione” holt Michalke den Zirkus ins Zelt. Es handelt sich um ein Musical aus Sardinien mit einer Trapezkünstlerin.

Während Reiner Michalke der Sparzwang drückt, hielten die Linken gestern eine neue Hiobsbotschaft bereit. Wie sie in Erfahrung brachten, hat Staatsminister Bernd Naumann einer Festival-Förderung aus Bundestöpfen eine Absage erteilt. Gabriele Kaenders: "Der Minister hofft , dass Moers im Rahmen der Konsolidierung des Haushalts die Zukunft des Festivals sichert.”

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das war das Moers Festival 2009

(RP)