Moers: Festival: Colin Stetson ist „Artist in Residence“

Moers : Festival: Colin Stetson ist „Artist in Residence“

Das Moers Festival wartet zu Pfingsten gleich mit zwei Botschaftern der improvisierten Musik auf. Neben Stadtmusiker Hayden Chisholm gibt es dieses Jahr wieder einen Artist in Residence: Colin Stetson.

Reiner Michalke, künstlerischer Leiter des Moers Festivals, hat den Saxofonisten Colin Stetson zu einer viertägigen Werkschau in die Grafenstadt eingeladen. Als Artist in Residence wird er vom 22. bis zum 25. Mai mit den unterschiedlichsten Formationen, solo, im Duett mit Sarah Neufeld und mit einer zwölfköpfigen Bigband, in der Festivalhalle am Solimare auftreten. Das gab es zuletzt 2006. Damals war Trompeter Arve Henriksen als Artist in Residence in Moers zu erleben. "Ich bin immer sehr ergriffen, zu hören, was Colin Stetson solo macht", betonte Reiner Michalke am Donnerstag bei der Vorstellung des Festprogramms. Stetson sei aber ein so vielschichtiger Musiker, dass eine Werkschau interessante Einblicke gewähre. Ein Höhepunkt: Colin Stetson will die Symphonie der Klagelieder des polnischen Komponisten Henryk Górecki neu interpretieren.

Der Festivalchef hat sich die vierteilige Serie mit Colin Stetson vielleicht auch ein bisschen selbst gegönnt, nachdem er dem diesjährigen Festival aufgrund der prekären finanziellen Situation der Moers Kultur GmbH große Einschnitte verordnen musste. Um das Programm zu schützen, blieb Michalke nichts anderes übrig, als sich von liebgewonnenen Reihen wie Mini-Moers und Klangorchester zu verabschieden. Beide Projekte führten Moerser Schulkinder an die improvisierte Musik heran. "Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht", betont der Festivalchef, dabei schwang die leise Hoffnung mit, dass sich doch aus der Moerser Stadtgesellschaft heraus ein ambitionierter Förderer findet, der bereit ist, in diese Projekte 30.000 Euro zu investieren. Das Festivalprogramm findet vier Tage lang statt.

Michalke setzt auf Vielfalt, die in diesem Jahr vor allem aus den USA und den nordischen Ländern kommt. Der Moerser Stadtmusiker Hayden Chisholm wird das Festival am Freitag, 22. Mai, eröffnen. Er hat das Lucerne Jazz Orchestra eingeladen, eine große Besetzung mit jungen Musikern, für die Chisholm eine neue Komposition geschrieben hat. Ebenfalls auf dem Festival ist das deutsche Quartett "Nest", das laut Reiner Milchale selten live spielt, aber sehr außergewöhnlich sei. In einem New Yorker Musikkeller entdeckte Michalke eine ebenso ungewöhnliche Formation: die Jones Family Singers, die noch nie in Europa waren und ganz in der Gospel-Tradition stehen. "Als ich sie gehört habe, war ich ganz begeistert", sagt er.

Spannend dürfte das Konzert von Michael Mantler am Festivalsamstag werden. Der Österreicher, der in New York als Trompeter Karriere gemacht hatte, hat seine fast 50 Jahre alten Stücke neu bearbeitet und mit einer Bigband aufgezeichnet. "In Moers ist die Premiere nach der Aufzeichnung zu erleben", sagt der Festivalchef. Sängerin Sara McDonald wird in Moers mit der Bigband der Hochschule für Musik und Tanz in Köln für einen aufregenden Auftritt sorgen. Aus Paris wird die Orchesterleiterin Eve Risser erwartet. Ihr White desert Orchestra feiert im März Premiere. Ein Wiedersehen gibt es mit Peter Evans und Frank Gratkowski. www.moers-festival.de