Fee Badenius bezaubert im Moerser Bollwerk mit komischen Alltäglichkeiten

Musik und Comedy im Bollwerk : Fee Badenius bezaubert mit komischen Alltäglichkeiten

Fee Badenius besingt nicht sehnsüchtig das weite Meer und die große Welt, sondern anschmiegsam das kleine Zuhause und die komischen Alltäglichkeiten – die sie manchmal philosophisch überhöht. Die 33 Jahre alte Musikerin aus Lübeck, die in Witten an der Ruhr lebt, erzählt vom Reiten und Lieben, vom Aufräumen und Abnehmen.

Am Freitagabend bezauberte sie mit ihrer Band (Jochen Reichert, Kontrabass, Johannes Still, Klavier, und Christoph Helm, Schlagzeug) im Jugendkulturzentrum Bollwerk gastierte.

Die beste Nummer ist der musikalische Sketch über das Aufräumen nach Marie Kondo. Zunächst schickt die Komponistin, Dichterin und Gitarristin ihre Musiker von der Bühne. „Marie Kondo steht für Minimalismus“, sagt sie. „Das spiegelt sich in der Zahl der Musiker wider.“ Sie erzählt, wie sie stundenlang Videos der japanischen Aufräum-Künstlerin im Internet angeschaut habe, was weder ihre Wohnung noch ihr Leben verändert habe. Sie berichtet, immer wieder mit jazzig-poppigen Musikeinlagen unterbrochen, wie schwer es sei, die Kondo-Frage zu beantworten: „Zu welchem Gegenstand hast Du eine emotionale Verbindung?“ Entsprechend schwer sei es, die Gegenstände in zwei Klassen zu sortieren, von denen die eine auszusortieren sei, zu der keine emotionale Verbindung bestehe. In ihrem Musiksketch zum Aufräumen und zum Minimalismus, der ironischerweise der längste ihres Programms ist, stellt sie am Ende fest, wie wenig Tipps von anderen helfen, zumal Marie Kondo sich selbst nicht an ihre Tipps halte: Diese habe eine Designlinie mit Gegenständen auf den Markt gebracht, die niemand brauche.

Die Zuhörer amüsieren sich über diese hinterlistige Analyse. „Alle Geschichten haben einen autobiographischen Anteil“, hören sie von der Liedermacherin. „Der Anteil an Autobiographischem liegt zwischen Null und 100 Prozent.“ Die Musikkünstlerin, die die Skurrilität des Lebens mit Lust vertont, erzählt Geschichten über die die Zuhörer lachen, weil sie über sich selbst lachen, da sie diese ähnlicher Weise selbst erlebt haben könnten. Als Waldorflehrerin, die sie bis zum Sommer 2018 war, um dann hauptberuflich Musikerin zu werden, hat sie ein Gefühl für ihre Zuhörer entwickelt. Sie spricht ihnen aus den Herzen, wenn sie im Country-Sound über das Pferdemädchen singt, das sie einst war. Oder wenn sie musikalisch die vielen Macken ihres Partners, des Kabarettisten René Sydow, aufzählt, um dann zu sagen, wie glücklich sie mit ihm sei. Dabei lässt sie für die Zuhörer offen, ob das vielleicht mit den Macken zusammenhängt. Schließlich wolle sie keine Tipps geben.