Faisal Kawusi hat die Gäste im Bollwerk in Moers begeistert.

Comedy in Moers : Faisal Kawusi hat im Bollwerk die Lacher auf seiner Seite

Wenn Faisal Kawusi (27) nicht mehr dick sein möchte, geht er nach Amerika: „Dort gilt meine Figur als normal und ich trage Skinny Jeans“, glaubt er. Die Ärzte würden nicht schimpfen. Und dass die analoge Waage ihm anzeige, er wiege zehn Kilogramm, weil sie nicht mehr als 150 erfassen kann, störe ihn dann nicht mehr.

Der Kölner Comedian lebt die Selbstironie. Und damit hat er am Samstagabend das Publikum im Bollwerk auf seiner Seite.

220 Zuschauer kommen, die Vorpremiere zu Kawusis Soloprogramm „Anarchie“ ist ausverkauft. „Ich kannte ihn bisher nur aus dem Fernsehen und finde ihn super witzig. Hoffentlich ist er live genauso gut“, sagt Mike Pavlic (33), der später am lautesten über die Witze des Comedians lachen wird. Damit macht er sogar einer Frau aus einer der hinteren Reihen Konkurrenz, von der Kawusi behauptet, sie habe nicht bloß gelacht, sondern einen Orgasmus erlebt. Prompt formuliert der Comedian eine Eigenwerbung: „Geh’ zu Faisal Kawusi, da kommst du öfter als du gehst.“

Doch nach Bettgeschichten oder der Frau seines Lebens muss der 27-Jährige sowieso nicht mehr suchen. Das glauben zumindest seine Freunde. Er habe doch jetzt den Ruhm, er sei doch jetzt „der Gejagte“. Kawusi, der afghanische Wurzeln hat, sieht das nüchtern: „Wenn ich gejagt werden will, gehe ich nach Chemnitz.“ Bei Witzen über seine Herkunft ist er unempfindlich. „Letztens war mein Cousin aus Afghanistan hier“, erzählt er. „Bringt mich dahin, wo Frauen sind, hat er gesagt. Er wollte  seinen Spaß haben.“ Das hätten sie auch dem Taxifahrer gesagt. Der brachte die beiden zum Streichelzoo. „War ein mega Abend“, witzelt Kawusi und imitiert das Mähen einer Ziege.

Überhaupt bedient der Kölner in seinem Comedyprogramm viele Vorurteile über Familien aus dem nahen Osten: Als er einmal seinen Schuldirektor bei einer Schnellballschlacht „eingeseift“ habe, hätte der zu seinem Vater gesagt: „Ihr Sohn hat bei Kindern und Lehrkräften Gewalt angewendet.“ Sein Papa habe ihm eine Ohrfeige gegeben und gemeint, er wisse nicht, woher sein Sohn das habe. Außerdem hätten seine Eltern mit afghanischen Freunden darum gebuhlt, wer das beste Kind habe. Seine Cousins seien da clever: „Einmal kam mein Vater wütend zu mir und fragte mich, wieso ich es zu nichts gebracht hätte im Gegensatz zu meinem Cousin Ali. Der sei Facility Manager.“ Heute ist Kawusi erfolgreicher Comedian. Und falls ihn diese Berufsbezeichnung beeindruckt, ist bestimmt auch sein Vater stolz auf ihn.

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