Moers : Exhibitionisten – Täter mit Komplexen

Kaum ein Monat vergeht, in dem sich kreisweit nicht Männer in schamverletzender Weise Frauen oder Mädchen zeigen. Der jüngste Fall hat sich am Freitag in Moers zugetragen. Die Polizei gibt Präventionstipps.

Fälle wie diese scheinen sich in letzte Zeit zu häufen: Wie die Polizei am Montag mitteilte, hat sich ein Mann am vergangenen Freitag gegen 10.30 Uhr zwei Frauen am Tirgrathsfeldweg in Moers in schamverletzender Weise gezeigt. Anschließend setzte er sich in einen dunklen Wagen und flüchtete über den Tirgrathsfeldweg in Richtung Kaldenhausener Straße. Der Täter war etwa 35 Jahre alt, circa 1,75 Meter groß, hatte dunkelblondes, längeres Haar und trug zur Tatzeit eine kurze Hawaii-Hose – vermutlich mit Palmenmuster. Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei in Moers unter Telefon 02841 171-0 entgegen.

Ebenfalls am Freitag, gegen 14.20 Uhr, zeigte sich ein Unbekannter einer 58 Jahre alten Frau in Wesel. Die Moerserin hatte beobachtet, wie der stark alkoholisierte Mann an der Schmidtstraße/Ecke Doelenstraße vor der Glasfassade des Gebäudes urinierte. Danach ging er weiter in Richtung der Weseler Fußgängerzone. Der Mann wird als 40 bis 50 Jahre alt und circa 1,75 Meter groß beschrieben. Der Täter hatte eine schlanke Figur, ein ungepflegtes Erscheinungsbild und braunes, mittellanges Haar. Zur Tatzeit trug er eine rote Hose, ein dunkles Oberteil, einen braunen Gürtel und war mit einem alten Hercules-Fahrrad unterwegs. Hinweise zu diesem Fall nimmt die Polizei in Wesel unter Telefon 0281 107-0 entgegen.

Auch wenn den Frauen in beiden Fällen nicht wirklich etwas passiert ist, handelt es sich doch um Straftaten. Und die landen früher oder später bei der Staatsanwaltschaft – und dann womöglich auch vor Gericht.

Mittlerweile liegen der Polizei für 2018 kreisweit circa 30 Fälle von Exhibitionismus vor, davon sieben allein in diesem Monat. „Natürlich“, sagt Frank Postfeld vom Kriminalkommissariat Prävention und Opferschutz, „ist jeder Fall einer zu viel. Aber es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Zahl der Fälle zunimmt.“ Im Gegenteil.

2014 tauchten in der Statistik noch 60 Fälle von Exhibitionismus auf, 2017 waren es 47. Doch was können Mädchen und Frauen tun, wenn sich vor ihnen plötzlich jemand in schamverletzender Weise zeigt? „Wir raten ganz allgemein dazu, keine Reaktion zu zeigen und einfach weiterzugehen.“ Die Täter würden sich nämlich daran ergötzen, wenn sie sehen, dass sich ihre Opfer erschrecken. Man könne aber den Täter auch ansprechen und sagen, dass er aufhören solle und man die Polizei rufe.

Den Eindruck, dass Exhibitionisten gerade in den Sommermonaten in Waldstücken oder im Umfeld von Freibädern besonders aktiv sind, kann Frank Postfeld nicht bestätigen. „Jede Örtlichkeit ist denkbar, wo sich Frauen aufhalten.“ Die Gründe, warum sich ein Jugendlicher oder ein Mann vor anderen entblößt, kann vielfältige Gründe haben. Das jedenfalls sagt Jack Kreutz, Chefarzt der Forensik in der LVR-Landesklinik Bedburg-Hau. „Man muss auch sagen, dass Exhibitionist nicht gleich Exhibitionist ist“, erklärt Jack Kreutz. „Da gibt es den reinen Exhibitionisten auf der einen und auf der anderen Seite Männer, die in einer Lebenskrise stecken, einen über den Durst trinken oder an Demenz leiden und sich einmal in ihrem Leben einer Frau zeigen.“ Die Männer allerdings, die unter einer sexuellen Störung leiden, die durch den ängstlichen Blick ihres Opfers erregt werden und dann womöglich der Frau hinterherlaufen, um sie zu nötigen oder gar zu vergewaltigen, gehören einer ganz anderen Kategorie an.

Wer bislang der Meinung war, dass es sich bei Exhibitionisten eher um unauffällige, schüchterne und in aller Regel wenig erfolgreiche Männer handelt, darf sich durch die Worte von Jack Kreuz bestätigt fühlen. Denn: „Es sind meist Täter mit einem geringen Selbstwertgefühl, die sich nicht trauen, mit einer erwachsenen Frau eine erwachsene Beziehung zu führen“, sagt der Chefarzt und erinnert sich in diesem Zusammenhang an eine Szene aus dem Kultfilm Dirty Harry mit Clint Eastwood. In dem Action-Thriller der frühen 70er Jahre öffnet ein Exhibitionist seinen Mantel vor einer taffen Frau, die cool ihre Brille aufsetzt und meint: „Das sieht aus wie ein Genital – nur viel kleiner.“ Der Täter läuft schreiend weg.

In der Realität aber sollte jedes Mädchen und jede Frau es vermeiden, einen Exhibitionisten zu provozieren. „Denn man weiß nie, wie so jemand reagiert, wenn er verbal gedemütigt wird“, sagt Jack Kreutz. Deshalb rät der erfahrene Mediziner: „Natürlich und selbstbewusst auftreten, gleichzeitig aber auch um Hilfe rufen. Und, wenn möglich, sich so schnell es geht aus der Gefahrenzone zu begeben.“

Mehr von RP ONLINE