Evangelische Gemeinde feiert Bütten-Gottesdienst in Moers-Meerbeck

Moers : „Wollen wir ihn reinlassen?“ – Bütten-Gottesdienst in Meerbeck

Die Pfarrerinnen Dorothea Mathies und Barbara Weyand predigten in gereimter Form. Die Gläubigen kamen bunt verkleidet ins Gemeindehaus an der Bismarckstraße.

Einen besonderen Gottesdienst durften am Sonntag die Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinden Utfort, Eick, Repelen und Meerbeck erleben. Passend zum Karnevalsgeschehen hatten die beiden Moerser Pfarrerinnen Barbara Weyand und Dorothea Mathies unter dem Titel „Salz sollt ihr sein für jede Suppe“ erstmals zu einer gereimten Büttenpredigt ins Meerbecker Gemeindehaus in die Bismarckstraße 35b eingeladen.

„Ein besonderer Gottesdienst mit roten Nasen, Singen und Beten, einem ernsten und einem jecken Auge“, sollte es laut Ankündigung werden. Und das wurde es dann auch. Manche der Besucher hatten sich bescheiden mit einem neckischen Hütchen, einer frechen, gelben Fliege oder bunten Blumengirlanden geschmückt. Andere dagegen hatten sich komplett zum Beispiel als rote Erdbeere mit blinkenden Herzchen an den Ohren, als gestiefelter Kater oder als himmelblaues Plüscheinhorn verkleidet. Nur die beiden Pastorinnen waren im gewohnten schwarzen Gottesdienst-Ornat erschienen.

„Wir sind erschlagen“, übernahm Barbara Weyand als gastgebende Pfarrerin der Meerbecker Gemeinde die Begrüßung und ließ dabei erfreut ihren Blick über die bis auf den letzten Platz besetzten Stuhlreihen schweifen: „Teilen sie sich einen Stuhl, wenn‘s sein muss!“ Den eigentlichen Büttenauftakt machte nach einer kurzen karnevalistischen Musikeinlage dann ihre Kollegin Dorothea Mathies. „Ich grüße alle hier im Raum, besonders jene Alten, die öfter mal die Hände falten.“ Dabei wurde sie zunächst kurzfristig von dem zu spät kommenden Organisten und einer männlichen Stimme aus dem Hintergrund unterbrochen, die laut fragte: „Wollen wir ihn reinlassen?“, was für einiges Gelächter und einen spontanen Applaus sorgte. Nach einem kurzen, von Hanns-Dieter-Hüsch entlehnten Text und einer vom himmelblauen Einhorn vorgetragenen, etwas abgewandelten Passage aus dem Matthäus-Evangelium setzte Pfarrerin Mathies dann zum zweiten Teil ihrer Büttenpredigt an, wurde dabei aber schon bald von Barbara Weyand mit gespieltem Ärger unterbrochen: „Klamauk auf der Kanzel, das geht wirklich nicht“, tadelte die Kollegin lautstark. „Am Aschermittwoch ist alles vorbei, danach gibt es wieder nur Alltagseinerlei“, erwiderte die Getadelte darauf lächelnd, um anschließend aber dennoch ein klein wenig ernster zu werden. „Es fällt uns schwer, es stets neu zu wagen, Gottes Wort zu sagen“, fuhr sie fort und verpasste ihrer Kollegin zum Schluss schließlich einen mit blinkenden Lichtern versehenen weißen Hut und sich selber eine rote Plüschnase.

Der Rest des ungewöhnlichen Meerbecker Karnevalsgottesdienstes verlief wie gewohnt ernsthaft mit Fürbittegebet, Vaterunser und Segen, und klang am Ende gesellig mit Kaffee, Sekt und süßen Karnevalskrapfen aus.

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