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Moers: Es wird nicht für die Ewigkeit gebaut

Moers : Es wird nicht für die Ewigkeit gebaut

Martin Flasbarth errichtete ein Hochhaus im Schlosshof, baute einen umgekippten Zirkuswagen mit Scheiben aus Zuckerglas und kleidete den Bühnenraum im Schloss mit Holzspänen und rotem Plüsch aus. "Als Theaterschreiner baut man nichts für die Ewigkeit", sagt er. Seit 1984 arbeitet der gelernte Bau- und Möbelschreiner in der Werkstatt des Schlosstheaters. "Ich kam ganz unverhofft an das Theater", erinnert sich der 56-Jährige. Die Stadt Moers suchte damals einen Schreiner. Martin Flasbarth stellte sich im Rathaus vor und bekam die Zusage.

Der Einsatzort überraschte Flasbarth allerdings sehr. "Im Rathaus hieß es : Fahren sie mal zum Theater. Die wollen Sie kennenlernen", erzählt er schmunzelnd. Dort wurde er von Jörg Reimer und Christian Seeger, Dramaturg und Schauspieler, in Empfang genommen. "Und irgendwann flog die Tür auf, und ein junger dunkelhaariger Mann kam aufgeregt herein. Es war Holk Freytag."

In der Werkstatt arbeiteten drei Kollegen. "Ich bin der Letzte der Zunft. Heutzutage werden Veranstaltungstechniker engagiert."

Die Werkstatt, die am Schloss untergebracht ist, nennt Martin Flasbarth Bastelbude. Es duftet nach Holz und Leim. Unter der Decke hat er sich ein Magazin angelegt, wo er Holzplatten stapelt. "Man sammelt wie ein Eichhörnchen." In seiner Bastelbude setzt er mit viel Kreativität und Fantasie die Ideen der Bühnenbilder und Regisseure um. "Es ist Improvisation in allen Fachbereichen gefragt", betont der 56-Jährige und erinnert sich gern an sein erstes Werk im Auftrag des Schlosstheaters: Für das Jugendstück "Der Frieden von Aristophanes" baute er 1984 ein zehn Meter hohes Hochhaus ganz aus Sperrholz. "Der Regisseur wünschte sich, dass ein Auto durchfahren kann", sagt er. Eine Besonderheit war für ihn das Mittagstheater, zu dem das Schlosstheater in frühen Jahren einlud. "Es war immer brechend voll. Das war ein Knaller." Flasbarth arbeitete mit Holk Freytag, Rupert Seidl, Johannes Lepper und Ulrich Greb. "Am Theater wird man als Schreiner ganz anders gefordert als in Unternehmen. Hier arbeiten alle auf Augenhöhe", betont Flasbarth, der sich der Sicherheit verpflichtet fühlt. "Die Schauspieler müssen sich sicher auf der Bühne fühlen."

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Für Intendant Rupert J. Seidl baute ein Großraumbühnenbild, eine Landschaft aus Schotter und Blei. Das Publikum saß auf der Bühne. Und die Orestie, die Holk Freytag auf die Bühne brachte, sagt Flasbarth, sei ein Gigantismus gewesen, der viereinhalb Jahre gespielt wurde. In jeder Vorstellung wurde die Bühne mit 33 000 Litern Wasser geflutet. "Wir waren mit dem Stück beim Theatertreffen und sind durch Ungarn getingelt." Anja Katzke

(RP)