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Unsere Woche: Es geht noch besser, liebe Enni!

Unsere Woche : Es geht noch besser, liebe Enni!

Die Enni macht viel in Moers, und darunter viel Gutes. Und sie spricht gerne darüber. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sie uns eine Mitteilung schickt - zu Müllabfuhrterminen, Baumfällungen, Straßenbaumaßnahmen, Zählerablesungen, Sauna-Events und vielen anderen mehr oder minder wichtigen Dingen. Das ist in Ordnung, denn die Bürger sollen wissen, was die im Dienste der Stadt tätige Anstalt öffentlichen Rechts so treibt.

Leider ist die Enni nicht immer so mitteilsam. Wenn es um Themen geht, die ihr Hochglanz-Bild trüben könnten, kann sie sehr schweigsam werden. Um die geplante Erhöhung der Eintrittsgelder für die Moerser Bäder und die Eishalle hat sie eine regelrechte Geheimniskrämerei veranstaltet. Die Entscheidung über die Preissteigerungen ist im Enni-Verwaltungsrat am Montag vertragt worden. Dass das Thema überhaupt zur Debatte stand, erfuhren wir zufällig, weil die CDU im Vorfeld der Sitzung die Preisaufschläge kritisierte. Erst danach schickte die Enni eine Ankündigung, in der es aber lapidar hieß: "Ein weiteres Thema sind die Eintrittspreise der Bädereinrichtungen." Als wir bei der Enni um die (öffentliche!) Sitzungsvorlage baten, um einordnen zu können, worüber sich die CDU denn so aufregte, wurde uns diese Vorlage verweigert; wir mussten sie uns anderweitig beschaffen. Erst kurz vor der Verwaltungsratssitzung veröffentlichte die Enni die Sitzungsinformationen. Begründung: Man wolle nicht, dass die Presse vorher über die Themen berichtet.

Bei der Stadt ist es guter Brauch, Unterlagen für Ausschuss- und Ratssitzungen rechtzeitig - manchmal eine Woche und mehr vorher - ins Internet zu stellen. Dabei geht es nicht um Steilvorlagen für die Presse. Es geht darum, die Bürger zu informieren. Die Enni nimmt sich die Freiheit, es anders zu machen. Vielleicht hätte sie es ja am liebsten, wenn die Moerser nur noch gefasste Beschlüsse zur Kenntnis nähmen, Motto (Vorsicht, Ironie!): Warum vor einer Entscheidung ein Thema öffentlich diskutieren, das kann man hinterher doch genauso gut tun. Ich kann und will mir nicht vorstellen dass der Bürgermeister (er ist Vorsitzender des Verwaltungsrates) und die Verwaltungsratsmitglieder, die auch als gewählte Vertreter der Moerser im Rat sitzen, so denken.

Übrigens war die Enni beim Verfassen der Vorlage zur Erhöhung der Eintrittspreise etwas nachlässig, jedenfalls was die dort genannten Vergleichspreise angeht. Für den Aquapark Oberhausen nennt sie zum Beispiel 34 Euro als Eintritt für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Dass es eine Familienkarte gibt, die je nach Aufenthaltsdauer 22 bis 28 Euro kostet, unterschlägt sie. Und im Rhein-Ruhr-Bad Duisburg werden selbst dann keine 33 Euro fällig, wenn vierköpfige Familien auf einen Rabat verzichten - sondern maximal 25 Euro. Mit Gruppenkarte kostet's 20 Euro. Wenn die Enni ihre Unterlagen immer so "exakt" verfasst, dann ist es verständlich, dass sie diese gerne unter Verschluss halten möchte. Aber wir wissen: Dem ist nicht so. Wie gesagt, die Enni tut viel Gutes, aber manches könnte noch besser werden.

josef.pogorzalek@rheinische-post.de

(RP)