1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Moers: Erste Anlage für Biogas aus Pferdemist

Moers : Erste Anlage für Biogas aus Pferdemist

Schon im Mai soll die Biogasanlage für Stroh und Pferdemist die Produktion aufnehmen. Es wird die erste dieser Art in Deutschland. Eine Pilotanlage gibt es in Italien – die allerdings arbeitet mit einer anderen Technologie und kann nur geringe Mengen Stroh vergären.

Schon im Mai soll die Biogasanlage für Stroh und Pferdemist die Produktion aufnehmen. Es wird die erste dieser Art in Deutschland. Eine Pilotanlage gibt es in Italien — die allerdings arbeitet mit einer anderen Technologie und kann nur geringe Mengen Stroh vergären.

Wenn Hans-Joachim Brügelmann auf den Anfang des Jahres 2010 zurückschaut, muss er schmunzeln: "Am Anfang haben uns alle ausgelacht", sagt er. Denn die Idee des Diplom-Agraringenieurs, aus Stroh Biogas zu gewinnen, war für viele so reell wie das Märchen "Rumpelstilzchen", in dem aus Stroh Gold wird.

Bislang galt es als nicht möglich, das Lignin im Stroh und Pferdmist zu knacken, das der Gerüstbaustein des Strohes und Holzes ist. Bald wird Brügelmanns Idee kein Märchen mehr sein. Bis Mai 2013 soll am Neukirchener Kanal eine Biogasanlage für Stroh und Pferdmist fertiggestellt sein — zwischen dem Autobahnkreuz Moers und Neukirchen.

Es wäre die erste in Deutschland, eine Pilotanlage gibt es in Italien — die allerdings arbeitet mit einer anderen Technologie und kann nur geringe Mengen Stroh vergären.

Herzstück der Anlage ist ein Aufprallzerkleinerer. "In einer Zentrifuge wird das Stroh auf 980 Stundenkilometer beschleunigt, was nahe der Schallgeschwindigkeit ist", erklärt Brügelmann, der Landwirt des Reiterhofes "Agnetenhof" und Betreiber des Bauerncafés "Kaffeekränzchen" in Holderberg ist. Bisher wurde diese Technik nicht für Stroh eingesetzt, sondern vor allem beim Recycling von Metall, Gummi und Kunststoffen. Das aufgespaltene Stroh wird mit Gülle, die nicht nur von Pferden, sondern auch von Rindern oder Schweinen kommen kann, sowie mit Bakterien in der Biogasanlage vermischt und vergoren. Aufschwemmschichten des Strohs entstehen durch die neue Technologie nicht mehr. Dies vereitelte bislang eine Biogasvergärung von Stroh und Pferdemist.

"Aus einer Tonne Pferdemist plus der Gülle entstehen 150 Kubikmeter Biogas", erklärt Brügelmann. Das ergibt bei 12 000 Tonnen Pferdemist, 6000 Tonnen Gülle plus 3000 Tonnen Zwischenfrüchten pro Jahr rund 2,3 Millionen Kubikmeter Biogas. Das Gas wird verbrannt und erzeugt in einem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme von rund zehn Millionen Kilowattstunden.

In einer 1400 Quadratmeter großen Halle erfolgt die Zwischenlagerung des Pferdemistes. "Weil das System abgeschlossen ist, wird es keine Geruchsbelästigung geben", versichert Brügelmann. 3,5 bis vier Millionen Euro sind für den Bau der Pilotanlage geplant. Für die Einspeisung des Stromes rechnet er mit 18,5 Cent pro Kilowattstunde.

An der Anlage sind vier Pferdewirte beteiligt. Initiator ist Brügelmann, die Anlage steht auf dem Gelände des Landwirtes Hans-Gerd Achterberg. "Anfang Oktober haben wir die Unterlagen für das Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Imissions-Schutz-Gesetz eingereicht", sagt Brügelmann. Wenn die Genehmigung vorliegt, soll die Baugenehmigung beantragt werden. "Eine schriftliche Auskunft zu dieser Baugenehmigung ist im November 2010 positiv beschieden worden", sagt der Landwirt. Er rechnet mit Baubeginn März 2013. Und: "Schon im Mai könnte die Erzeugung von Biogas beginnen."

(got)