Moers: Erlernter Beruf soll Flüchtlingen in Heimat helfen

Moers: Erlernter Beruf soll Flüchtlingen in Heimat helfen

Die berufliche Qualifizierung soll Flüchtlinge bei der Rückkehr in ihre Ursprungsländer unterstützen

MOERS Um Flüchtlingen, die nicht in Deutschland bleiben können, in ihren Heimatländern eine Perspektive zu bieten, nehmen das Bildungszentrum Handwerk Duisburg und der Bunte Tisch Moers am Pilotprojekt "Perspektive Heimat" des Entwicklungsministeriums teil. Gestern stellten sie ihr Projekt "Perspektive Heimat Rückkehr in Würde" vor, das seit Dezember läuft.

Die Bundesregierung spreche immer wieder davon, Fluchtursachen bekämpfen zu wollen, sagt Amar Azzoug vom Bunten Tisch: "Wir wollten das umsetzen." Er hält nicht viel von den Versuchen des Innenministeriums, Flüchtlingen etwas Geld zu geben, damit sie in ihre Heimatländer zurückkehren. Wenn sie zehntausend Euro ausgegeben haben, um nach Deutschland zu kommen, seien tausend Euro kein großer Anreiz, sagt er. Der neue Ansatz der "Rückkehr in Würde" sei "mehr ein entwicklungspolitisches Konzept".

Im ersten Schritt knüpft bei diesem Projekt der Bunte Tisch in Zusammenarbeit mit der Stadt Moers Kontakte zu Menschen, die in ihre Heimatländer zurückkehren müssen, das aber auch möchten. Anschließend sollen die Teilnehmer an einer dreimonatigen Qualifizierung teilnehmen, in enger Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Deren Migrationsberatungszentren in verschiedenen Ländern haben Informationen darüber, welche Qualifizierungen dort nötig sind, und betreuen die Teilnehmer auch nach der Rückkehr. Dabei arbeiten sie mit Bildungsträgern vor Ort zusammen. So soll den Rückkehrern ermöglicht werden, in ihren Heimatländern "Wurzeln zu schlagen", erklärt Frank Bruxmeier, der Geschäftsführer des Bildungszentrums Handwerk. "Das Projekt endet nicht an der deutschen Staatsgrenze", betont er.

Wenn sie mit leeren Händen nach Hause zurückkehrten, gälten die Rückkehrer als "Loser", sagt Azzoug, besonders wenn viele zusammengelegt hätten, um sie nach Deutschland zu bringen. Die Qualifizierung sei eine bessere Alternative für Menschen, die nicht in Deutschland bleiben können, erklärt Andre Bröcking vom Fachbereich Soziales der Stadt Moers.

In den Heimatländern kümmern sich die Migrationsberatungszentren nicht nur um die Rückkehrer, sondern auch um Menschen, die nach Deutschland kommen wollen. Sie helfen bei Arbeitsmigration und mit Angeboten.

Dass das Projekt ein Pilotprojekt ist, bei dem das richtige Konzept erstellt und das für jeden Teilnehmer ein Gewinn werden soll, statt möglichst schnell möglichst viele Menschen zurück in ihre Heimatländer zu schicken, machen alle Beteiligten deutlich. Bruxmeier geht von 20 bis 40 Menschen aus, die mitmachen. Bislang gibt es Gespräche, aber noch niemanden, der am Projekt teilnimmt. Einige hätten entschieden, doch erst alle Möglichkeiten auszunutzen, in Deutschland zu bleiben, erklärt Projektleiterin Ina Benning. Die Beratung sei selbstverständlich unverbindlich. Und eines wiederholt Azzoug immer wieder: "Das Projekt basiert auf Vertrauen."

(alli)