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Moers: Erhebung sieht Steinstraße im Abwind

Moers : Erhebung sieht Steinstraße im Abwind

Um 20 Prozent soll die Passantenfrequenz und somit potenzielle Kunden im Vergleich zu den Vorjahren abgenommen haben. Erstmals seit der Erhebung schneidet Moers schlechter ab als Wesel. Die Stadt betrachtet die Zahlen skeptisch.

Sind das für die Moerser Einkaufsstraße alarmierende Zahlen? Laut einer Erhebung des Investment-Management-UnternehmenJones Lang LaSalle (JLL) ist die Passantenfrequenz in der Moerser Innenstadt auf der Steinstraße um 19,77 Prozent gesunken. Statt der bisher in den Vorjahren durchschnittlich gemessenen Zahl von 2362 Passanten (in drei Stunden) sind demnach nur 1985 gezählt worden. "Eine hohe Passantenfrequenz ist aber Geschäftsentscheidend", sagt Wilhelm Bommann von Einzelhandelsverband Niederrhein. Schwinde die Laufkundschaft, sänken die Einnahmen. Die Erhebung von JLL sei zwar mit Vorsicht zu genießen, so Bommann, "es gibt aber einige Händler, die behaupten, dass die Frequenz tatsächlich zurückgegangen ist."

Die Erhebung fand am Samstag, 6. Mai, zwischen 13 und 16 Uhr Deutschland weit in 170 Städten statt. Das Verfahren wendet JLL - eine der größten Immobiliendienstleister der Welt - seit 2007 an, um Deutschlands Einkaufsstraßen zu vergleichen. Bestplatziert ist erneut Frankfurt am Main (Zeil, 14.875 Passanten), in NRW hat Düsseldorf (Flinger Straße, 13.710) erstmals Köln (Schildergasse, 13.505) vom Thron verstoßen.

Moers hingegen zählt zu den großen Verlierern, rutscht sogar hinter die Kreishauptstadt Wesel zurück. Nur Recklinghausen (-25 Prozent) und Siegen (-33 prozent) schneiden in der Erhebung noch schlechter ab.

Die Moerser Verwaltung blickt skeptisch auf die Erhebung. "Der festgestellte Rückgang der Passantenfrequenz für 2017 lässt sich nicht schlüssig erklären, denn der Geschäftsbesatz hat sich relativ zum zugrunde gelegten Vergleichszeitraum seit 2013 nicht wesentlich verändert", sagt Stadtsprecher Thorsten Schröder. Die Leerstandsquote betrage unverändert unter 10 Prozent. Das Ranking weise überdies für einige Städte unrealistische Zuwachsraten aus. Auffällig ist beispielsweise, dass die Marktstraße in der Stadt Oberhausen mit einer deutlich erhöhten Frequenz (3175 statt 1923) zu den großen Gewinner zählt. Dabei gilt die Innenstadt Oberhausens nicht gerade als Einkaufsmeile. Deshalb stieß die Erhebung selbst bei der Oberhausener City-Managerin, Astrid Schöpker, auf Zweifel. Den dargestellten Anstieg habe sie nicht vernommen, stellte sie gegenüber der Funke-Mediengruppe fest.

Eine mögliche Schwachstelle könne die Methodik der Erhebung sein, sagt Wilhem Bommann von Einzelhandelsverband. In Duisburg habe vor Jahren eine solche Zählung stattgefunden, zeitgleich flanierten aber Tausende Fußballfans wegen eines Bundesliga-Heimspiels des MSV Duisburg durch die Innenstadt. "Plötzlich hatte Duisburg eine enorme Passantenfrequenz, die aber selbstverständlich nicht der Realität entsprach", sagt Bommann.

Moers' schlechtes Abscheiden scheint offenbar auch die JLL-Experten zu überraschen. Andreas Siebert, Einzelhandelsfachmann bei JLL attestiert der Stadt nämlich enormes Potenzial: "Prinzipiell ist Moers ein guter und attraktiver Einzelhandelsstandort. Entscheidend ist, dass Moers seine Stärken ausspielt, Alleinstellungsmerkmale fördert und so eine hohe Aufenthaltsqualität und -dauer erzielt. Daher ist der langfristige Schnitt und der Trend wichtiger, als die Momentaufnahme, die solche eine Zählung zunächst immer nur sein kann."

(KT)