Moers: Enni muss 100 Kilometer Kanal sanieren

Moers: Enni muss 100 Kilometer Kanal sanieren

Seit 2015 ist die Enni Stadt & Service Eigentümerin des circa 450 Kilometer langen Moerser Kanalnetzes. Ein großer Teil ist marode, die Erneuerung ist aufwendig.

Rot-weiße Baken, aufgerissener Asphalt, verengte oder gesperrt Fahrspuren - Stau. Für Moerser Verkehrsteilnehmer ist das Realität. Und es wird nicht besser. Ab Montag starten auf der Römerstraße die für die anstehende Kanalsanierung notwendigen Bodenuntersuchungen, bei denen der Kampfmittelräumdienst mögliche Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg sucht. Dafür muss die Römerstraße im Bereich nördlich der Einmündung zur Kirschenallee voraussichtlich eine Woche lang komplett gesperrt werden. Okay! Aber: Warum sind die Moerser Straßen eine gefühlte Dauerbaustelle? Unsere Redaktion hat bei Enni-Vorstand Lutz Hormes nachgefragt.

Die Frage: Ist es bei uns schlimmer als anderswo?, beantwortet Hormes mit einem klaren Nein. "Es gab einen jahrzehntelangen Sanierungsstau bei der Erneuerung von Straße und Brücken, und zwar deutschlandweit", sagt er. "Die Auswirkungen der schlechten Haushaltssituation in Moers haben natürlich auch vor der technischen Infrastruktur nicht haltgemacht. Hinzu kommt, dass sich die Mobilität gravierend verändert hat: Es gibt eine deutliche Verkehrszunahme im Bereich Straße, mehr Pendler und auch eine politische Präferenz zugunsten des individuellen motorisierten Kraftverkehrs. Die Straßen nutzen viel schneller ab, weil viel mehr Verkehr drüber rollt." Die Folge, sagt Hormes, sei ein zunehmender Erneuerungsbedarf. "Flächendeckend! Und es ist kein Ende in Sicht!"

Hinzu kommt: Seit 2015 ist die Enni Stadt & Service Eigentümerin des circa 450 Kilometer langen Moerser Kanalnetzes. Darunter fallen ausschließlich Hauptleitungen für Schmutz-, Regen- und Mischwasser. "Es gibt Kanäle aus den 1920er Jahren, die nach wie vor nutzbar sind, und es gibt solche aus den 1960er und 1970er Jahre Jahren, die qualitativ deutlich schlechter sind", sagt Hormes. "Auf rund 100 Kilometern haben wir akuten Sanierungsbedarf."

  • Moers : 12,5 Millionen Euro für Straßen und Kanalbau

8.275.754 Euro sind in diesem Jahr in Moers für den Kanalbau vorgesehen, 3.886.658 Euro (investiv) beziehungsweise 465.521 Euro (konsumtiv) für den Straßenbau. Rund 850 Straßenaufbrüche - vom Kopfloch im Gehwegbereich bis hin zu kilometerlangen Großbaustellen - gibt es durchschnittlich pro Jahr. Tendenz: deutlich steigend. "Baustellenkoordination" lautet deshalb der Strategieansatz der Enni. Das heißt: Maßnahmen - zum Beispiel Erneuerungen am Kanal und an der Straße - werden zeitlich und räumlich so gut es geht aufeinander abgestimmt. Beteiligt sind die Straßenverkehrsbehörde, Polizei, Feuerwehr, Niag, Fernwärme, Telekom und Multimediaanbieter. "Je größer die Maßnahme ist, desto früher beginnt die Kommunikation", sagt Hormes. "Mit besonders sensiblen Anwohnern, zum Beispiel mit Geschäftsleuten, werden im Vorfeld persönliche Gespräche geführt. Wir nutzen alle möglichen Kanäle zur Informationsweitergabe, erreichen aber dennoch nicht jeden. Ich würde mir wünschen, dass das Verständnis dafür wächst, dass nicht alle Eventualitäten im Vorhinein geplant werden können."

Beispiel: Römerstraße. Auch zwischen Homberger und Essenberger Straße wird derzeit gearbeitet. Im Frühjahr 2016 hat die Enni dort begonnen, unter anderem Kanäle zu sanieren und Radwege neu zu gestalten. Eigentlich sollten die Arbeiten auf diesem Abschnitt Mitte dieses Jahres abgeschlossen sein. "Wegen der Anforderungen an einen zweiseitigen Verkehrsfluss musste die Planung aber immer wieder geändert werden", sagt Hormes. Ein Ende der Arbeiten sei frühestens Ende des Jahres in Sicht. "Die Arbeitsintensität beziehungsweise der Baustellenfortschritt bemisst sich im Einzelfall nach den spezifischen Tätigkeiten", betont der Enni-Vorstand. "Grundsätzlich hat niemand ein Interesse daran, dass eine Baustelle länger dauert, als unbedingt nötig."

(RP)