Moers: Enni kämpft gegen Altkleider-Diebe

Moers: Enni kämpft gegen Altkleider-Diebe

Bald werden viele Moerser wieder ihre alten Klamotten ausrangieren. Dazu hat der Dienstleister mehr als 100 Container aufgestellt. Die sind mittlerweile per Zahlenschloss verriegelt, denn auf den Erlös haben es auch andere abgesehen.

Am Wochenende ist es soweit: Der Frühling soll kommen. Der deutsche Wetterdienst meldet für Moers und Umgebung Temperaturen von bis zu 20 Grad. Für viele ein Grund, sich mal ein bisschen genauer mit dem eigenen Kleiderschrank zu beschäftigen. Klar, erstmal die kurzen Frühjahrssachen rauskramen. Aber braucht man dieses eine T-Shirt eigentlich noch? Ist die Hose nicht sowieso längst zu klein? Und diese Jacke mit dem Loch, die zwar immer da hängt, die man aber nie an hat? Genau, endlich weg damit. Platz schaffen.

Dabei helfen kann zum Beispiel Enni. Der kommunale Dienstleister hat an 53 Standorten im Stadtgebiet insgesamt 107 Altkleidercontainer aufgestellt. Dort kann jeder seine Pullover, Mäntel und Hosen einwerfen, die er nicht mehr braucht - oder nicht mehr will. An sieben der Enni- Standorte sammelt das Rote Kreuz zusätzlich Kleidung im Auftrag der paritätischen Wohlfahrtsverbände. "Unsere Container werden je nach Standort und Frequentierung ein- bis viermal mal pro Woche geleert", sagt Enni-Sprecher Holger Kleinekort. Dafür ist das Dortmunder Textilverwertungsunternehmen Dohmann zuständig, das so pro Jahr durchschnittlich 600 Tonnen Kleidung in Moers einsammelt.

Verwertung von Altkleidern in Deutschland: Viele Kleider werden weiterverkauft, nur ein geringer Teil geht an Bedürftige. Foto: BUND

Vielleicht könnten es aber auch mehr sein. Denn Enni geht davon aus, dass nicht jedes Kleidungsstück, das von den Moersern in die Container geworfen wird, am Ende auch eingesammelt wird. "Die hohen Erlöse für die Kleidung locken auch Diebe an", sagt Kleinekort. Immer wieder soll es vorkommen, dass die Täter über die Einwurfklappen der Sammelbehälter einsteigen und einem Komplizen die Kleidung anreichen. In anderen Kommunen habe es sogar Fälle gegeben, wo Kinder dazu benutzt wurden, die Container auszuräumen, berichtet Enni-Abteilungsleiter Ulrich Kempken. Kleinekort ergänzt: "Wir haben keine konkreten Zahlen, wie oft etwas aus den Containern geklaut wird, weil der Diebstahl natürlich erstmal nicht auffällt. Da gibt es eine hohe Dunkelziffer." Auch der Polizei liegen keine Zahlen vor. "Wir wissen, das solche Diebstähle passieren, aber wir können erst dann aktiv werden, wenn die Fälle gemeldet werden", sagt ein Sprecher der Kreispolizei in Wesel.

In den vergangenen Jahren sind die Diebstähle jedoch häufiger aufgefallen, auch weil die Täter zum Teil gewaltsam vorgegangen sind. Im Herbst 2015 wurde an einem Container die Rückwand mit einer Flex aufgeschnitten, wenige Monate später, im Frühjahr 2016, haben Diebe gleich einen kompletten Behälter mit Inhalt mitgehen lassen. Der jüngste Fall liegt jetzt ein Jahr zurück und hat dazu geführt, dass Enni in den vergangenen Monaten Maßnahmen ergriffen hat. "Anfang 2017 hat sich ein Dieb den Generalschlüssel der Vorhängeschlösser besorgt. So konnte er mehrere Behälter öffnen", sagt Kleinekort. Daraufhin hat man die Container mit einem Zahlenschloss nachgerüstet. Seitdem soll es keine größeren Diebstähle mehr gegeben haben.

Enni erwägte auch, die Einwurfklappen so umzugestalten, dass es nicht mehr möglich wäre, durch die Öffnung Kleidung zu stehlen. "Die Kosten dafür wären jedoch erheblich und die Klappe wäre deutlich kleiner. Das würde nach unsere Auffassung zu ungewollten Folgen führen", sagt Kleinekort. Enni glaubt, die Leute könnten ihre Kleidung dann lieber in die Container von privaten Sammlern werfen. Darunter seien oftmals so genannte Müllpiraten, die eigene Container wild im Stadtgebiet aufstellen und die Kleidung teuer weiterverkaufen.

(atrie)