1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Eis-Geschichten im Grafschafter Museum

Moers : Sommer, Sonne und heiß auf Eis im Grafschafter Museum

Moers erlebt gerade eine Eiszeit. Das Grafschafter Museum macht Lust auf die süße Kugel und klärt dabei die Frage, wie italienische Eismacher den Niederrhein eroberten.

Becher oder Hörnchen? An dieser Fragen scheiden sich bereits die Geister. Der sommerliche Spezialität widmet sich im Grafschafter Museum eine Sonderausstellung, die der Leidenschaft und Passion von Eismachern am Niederrhein nachgeht und ein genussreiches Kapitel deutsch-italienische Wirtschaftsgeschichte aufschlägt. Sie führt zu den Wurzeln einer großen Wanderbewegung der Bewohner der Dolomiten nach Deutschland und in die ganze Welt hinein.

Zu entdecken gibt es verschiedenste Themenbereiche wie etwa Außengastronomie oder Kaffeekultur im Eis-Café. Am Samstag lüftete Patrick Hayes, Mitarbeiter des Museums, die verschiedenen Geheimnisse rund um die kühle süße Kugel. Das Spaghetti-Eis gehört in diese Kategorie. „Nur in Deutschland wird Spaghetti-Eis gegessen und ist in Italien unbekannt“, so Patrick Hayes. Schnell wurde der Besuchergruppe klar, die kleine Kugel setzt Trends auf verschiedenen Ebenen. Aus einem Standardangebot entwickelten sich die verschiedenen Eissorten, Geschmacksrichtungen und für Menschen mit Diabetes oder Allergien verschiedene Spezialitäten. Die Eismacher bleiben somit auf der Höhe der Zeit. Hayes: „In den 1960er Jahren gab es kein Eis für Diabetiker.“ Der Mode unterlag auch das Mobiliar der Eisdielen, wie die kleine Auswahl an Stühlen und Marmortischchen zeigt, an denen gleichzeitig italienische Kaffeekultur gepflegt wurde. „Die Stühle wirken für uns heute eher kitschig. Aber dieser italienische Stil war bis 1980 einfach ‚in‘. Heute ist es eher das schlichte Design“, so Hayes. Rund 270 Exponate entführen in die Welt der Eismacher, zeigen ihr Handwerkszeug. Die Eisbecher und -pokale, Eisschälchen und die obligatorischen Schirmchen wecken Erinnerungen an die Moerser Eisdielen, deren Geschichte nachgezeichnet wird. 1951 ist es Donato Panciera, der eine Eisdiele eröffnete. Aber die italienischen Eismacher hatten es in Moers schwer, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Längst hatten Konditoreien wie Café Voorgang, Bongart und Kluth ihr Stammpublikum. Eis Wilbers nimmt dabei noch eine Sonderstellung ein, wie auch von den Besuchern zu hören war. Aus dem Büdchen wurden wenige Eissorten verkauft. Nach heutigem Stand der Forschung soll die Engländerin Anne Fanshawe ein erstes Rezept für Milchspeiseeis 1665 kreiert haben. Die vereinfachte Machweise von Eis reicht bis in die Antike zurück. Die italienische Eiskultur begann mit Wanderkrämern in der zweiten Hälfte der 19. Jahrhundert. Aus der Arme-Leute-Gegend mit kargen Tälern der Dolomiten, aus Val di Zoldo und Val de Cadore, stammen die ersten Eismacher.

Die Sonderausstellung „Gelato! Italienische Eismacher am Niederrhein“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Clemens-Sels-Museum in Neuss. Die Ausstellung ist bis 7. Oktober zu sehen.