Einkaufen in Moers: In Zukunft lieber unverpackt

Einkaufen in Moers : In Zukunft lieber unverpackt

Wer klimafreundlich einkaufen möchte, der kauft die benötigten Waren am besten unverpackt. Doch welche Läden ziehen in Moers schon mit? Wir haben nachgefragt und sind auf einige erfreuliche Ergebnisse gestoßen.

Butterbrotdosen, Frischhalteboxen, leere Einmachgläser, Jutebeutel oder andere Mehrwegverpackungen – jeder hat sie, doch nicht jeder nutzt sie. Norbert Büsch, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckereikette, wollte das ändern und startete eine sechsmonatige Aktion: Seine Kunden dürfen seit dem fünften Februar ihre eigenen Boxen, Becher und Tüten mitbringen.

Brötchen, Brot und andere Backwaren reichen die Fachverkäufer in Körben über die Theke und der Kunde packt sie selbst ein. Die Bäckerei-Mitarbeiter tragen Handschuhe und haben so keinen direkten Kontakt mit der Ware. Kaffee oder heiße Schokolade gibt’s in Kannen, aus denen sich jeder selbst einschenken darf. Das Ziel der Aktion ist es, den Verpackungsmüll zu reduzieren und so zum Klimaschutz beizutragen. Wer möchte, kann sich im Fachgeschäft einen Umweltpass ausstellen lassen: Für jeden Unverpackt-Einkauf gibt es einen Stempel. „Besonders engagierte Klimaschützer werden beim zwölften Mal mit einer Bauernkruste belohnt“, sagt Sigrid Baum, Pressesprecherin des Bäckereifachbetriebes.

Auch beim Real-Markt an der Hülsdonker Straße stellt sich ein Umdenken ein: Das Lebensmittelgeschäft arbeitet jetzt mit der Foodsharing-App „Too good to go“ zusammen. Obst und Gemüse, Backwaren und seit neuestem auch Molkereiprodukte werden nicht mehr weggeworfen, sobald ein Brötchen hart geworden, ein Joghurtbecher leicht beschädigt oder ein einziger Apfel in einen Zwei-Kilo-Beutel braun ist. Stattdessen werden die Lebensmittel in Überraschungstüten gepackt und für 3,50 Euro pro Tüte verkauft. Die Nutzer der App „Too good to go“ können sie erwerben, indem sie über das Smartphone eine oder mehrere bestellen und im Markt selbst abholen. Laut Geschäftsleiter Michael Wienke werden jeden Tag fünf Tüten Obst und Gemüse, fünf Tüten mit Backwaren und zwei Tüten mit Molkereiprodukten angeboten.

Außerdem gibt es im Real-Markt keine Plastiktragetaschen mehr – Obst und Gemüse kann in wiederverwendbaren Netzen eingekauft werden, Lebensmittel in Papiertüten oder Jutebeuteln transportiert werden. Dasselbe Prinzip gilt auch in den Rewe-Märkten und bei Edeka: Kein Plastik, dafür waschbare Obst- und Gemüsenetze. „Selbst Kopfsalat wird jetzt nicht mehr in Plastik eingeschweißt“, berichtet Andre Lindesblatt, Marktleiter der Rewe-Marktes Gellen. Doch der Betreiber des Edeka Müser, Ralph Müser, gibt zu: „Wir haben zwar gute Ansätze, doch sind leider noch nicht da, wo wir gerne wären. Die Bonpflicht macht dem Umweltschutz einen Strich durch die Rechnung.“ Aus seiner Sicht sei die neue Regelung unsinnig. Dafür werde bloß Papier verschwendet.

Nicht nur Ansätze, sondern ein ganzes Unverpackt-Konzept verfolgt Patrizia Paulus: Sie eröffnete im vergangenen Jahr den ersten Unverpacktladen in Moers. Seit dem Herbst hat sie mehr als 200 neue Produkte im Sortiment: Drogerieartikel wie Haaröl, Öl fürs Gesicht, Bartöl, Aftershave, Bodylotion in fester und flüssiger Form oder Handcreme, aber auch Reinigungsmittel oder eine Nussmousse-Maschine, aus der die Kunden das Mousse ganz ohne Zusätze selbst gewinnen können. Zusätzlich bietet Paulus jedes zweite Wochenende Workshops an, in denen Interessierte lernen, wie sie Putzmittel oder Kosmetika wie Lippenstift, Lippenpflege oder Hautpflege selbst herstellen können. „Dieses Angebot wird sehr gut angenommen“, sagt die Geschäftsführerin des Unverpacktladens. Bis Mai sind die Kurse ausgebucht. Auch der Laden läuft gut, Paulus ist zufrieden mit der Resonanz: Es kämen immer neue Kunden dazu.

Auch Michael Wienke, Geschäftsführer des Real-Marktes an der Hülsdonker Straße, ist positiv gestimmt: „Die Zusammenarbeit mit ‚Too good to go‘ läuft super. Die Kunden nehmen das Angebot zahlreich wahr.“ Die Umweltaktion bei Büsch, die am fünften Februar mit einem Unverpackt-Tag gestartet ist, könnte dagegen noch besser laufen, so Pressesprecherin Sigrid Baum. „Die Resonanz war nicht so groß wie erhofft, deshalb werden wir das Konzept in den kommenden sechs Monaten erst einmal testen.“ Das Umdenken müsse nicht nur beim Unternehmen, sondern auch beim Kunden stattfinden.