Moers: Einigung im Streit "Wohnhaus gegen Kneipe"

Moers: Einigung im Streit "Wohnhaus gegen Kneipe"

Das geplante Wohngebäude neben der "Röhre" wird um einen Meter zur Straße vorgezogen, eine Mauer wird hochgezogen, die Terrasse der Szenekneipe bekommt ein festes Dach. Das soll die künftigen Nachbarn des Lokals vor Lärm schützen.

Endlich haben sich die Betreiber der Szenekneipe "Röhre" und die Planer eines Wohnhauses an der Weygoldstraße an einen Tisch gesetzt und nicht nur übereinander, sondern miteinander gesprochen. Mit Erfolg: Sie haben bauliche Maßnahmen zum Schutz der künftigen Hausbewohner vor dem Kneipenlärm vereinbart. Die P & S Projektierungsgesellschaft, die das Wohnhaus plant, will die Front des Gebäudes, das neben dem Lokal entstehen soll, um einen Meter zur Straße hin vorziehen - so dass Röhre und Wohnhaus nicht in einer Flucht stehen. Zum anderen will sie eine bestehende Mauer zwischen der Röhre und dem Wohnhaus vergrößern. Die Röhren-Pächter werden die Terrassen-Pergola durch ein festes Dach ersetzen, das bis zur besagten Mauer reicht. Das teilte Architekt und Investor Hans-Jürgen Pulina von der P & S Projektierungsgesellschaft aus Schwafheim mit.

Die Pläne von Pulina hatten die Anhängerschaft des Lokals vor Monaten in Aufruhr gebracht. Das Ende der Kneipe wurde prophezeit, weil undenkbar schien, dass ein Lokal mit nächtlichem Ausschank, Live-Musik und Terrassenbetrieb bis Mitternacht auf Dauer neben einem Wohnhaus geduldet würde. Dass er es wagte, neben einer 50 Jahre alten Institution wie der "Röhre" ein solches Projekt zu planen, wurde Pulina als Affront ausgelegt.

Nun scheinen sich die Wogen etwas geglättet zu haben, und daran haben Hartmut Hohmann (Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung) sowie der Moerser Kulturmacher Konrad Göke ihren Anteil. Die bekennenden "Röhrianer" vermittelten zwischen den zerstrittenen Parteien und bahnten ein Gespräch an, bei dem die Schallschutzvorkehrungen ausgehandelt wurden. Inzwischen hätten auch die Eigentümer der "Röhre" sich mit dem Vorgehen einverstanden erklärt, sagte Pulina. Nun fehle noch das grüne Licht der Stadt, bei der er einen Nachtrag zum Bauantrag eingereicht habe. Auf dem Bau-Grundstück neben der Röhre herrscht derweil Stillstand. Vorhandene Fertiggaragen wurden zwar provisorisch umgestellt, um für weitere Arbeiten Platz zu schaffen. Im Februar hatte Pulina den Beginn der Ausschachtung für März angekündigt. Ein beauftragtes Bauunternehmen hat sich aber inzwischen von dem Areal zurückgezogen. Jetzt kündigt Pulina an, "so schnell wie möglich" mit den Bauarbeiten zu beginnen, wenn noch ausstehende Genehmigungen von der Stadt vorliegen. Er datierte den voraussichtlichen Baubeginn auf Juli oder August. Stadtsprecher Thorsten Schröder sagte auf Anfrage, dass aus städtischer Sicht nichts gegen die geplanten Maßnahmen spreche. "Wir sind froh, dass beide Parteien einen vernünftigen Kompromiss gefunden haben."

Sechs Eigentumswohnungen sollen in dem Gebäude neben der Röhre entstehen. Drei seien bereits vergeben, sagte Hans-Jürgen Pulina. Drei weitere - eine im Obergeschoss, zwei im Parterre - bietet er über ein Moerser Immobilienbüro zum Kauf an. 325.000 Euro kostet eine barrierefreie, 103 Quadratmeter große "tolle Wohnung" mit Balkon im ersten Obergeschoss. Interessant ist die Lagebeschreibung des Objekts: Die Moerser Altstadt "mit ihrem facettenreichen Angebot" liege "im wahrsten Sinne des Wortes vor der Haustüre, und auch das Rathaus, die Bibliothek und Volkshochschule sind nur wenige Meter von der Weygoldstraße entfernt", heißt es da unter anderem. Von dem Veranstaltungslokal nebenan kein einziges Wort. Dazu Pulina: "Die Leute fahren sowieso vorbei und gucken sich das an." Na, hoffentlich.

(RP)