Eine Moerserin muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten. Auf der A57 hatte sie Autos beworfen.

Moers : Angeklagte: „Ich wollte ins Gefängnis“

Eine Moerserin muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten. Auf der A57 hatte sie Autos beworfen.

Was bringt einen Menschen dazu, Gegenstände von einer Autobahnbrücke auf fahrende Wagen zu werfen? Mit dieser Frage muss sich die 4. Große Strafkammer des Klever Landgerichts beschäftigen. Eine 21-jährige Moerserin steht vor Gericht, weil sie am 8. und 9. Januar Fahrzeuge auf der A57 bei Genend mit Hölzern und einer Warnbarke beworfen hatte. Auf einer Autobahnbrücke nahe des Rastplatzes Dong wartete die junge Frau auf vorbeifahrende Autos und schlug in der Dunkelheit zu. Die Anklage: Versuchter Totschlag in zwei Fällen, zudem schwere Brandstiftung.

Das erste Opfer: eine 47-jährige Rheinbergerin. Die Erzieherin war gegen 21.20 Uhr zu ihrer Arbeitsstelle in Neukirchen-Vluyn aufgebrochen. Auf dem Weg zur Nachtschicht krachte plötzlich eine Warnbarke vor ihren Renault Mégane, traf die Stoßstange und geriet unter den Wagen. „Ich sah nur etwas Rot-Weißes auf mich zukommen“, erinnerte sich die Zeugin mit zitternder Stimme. „Ich hatte beide Hände am Lenker und habe Angst um mein Leben gehabt.“ Ihren Wagen stoppte sie am Rastplatz Dong und wählte den Notruf. Verletzt wurde sie nicht, das Auto trug einen Totalschaden davon.

Zur Festnahme kam es einen Tag später: Wieder hatte die Angeklagte die A57 von der Brücke bei Genend aus beworfen, diesmal mit Holzlatten und Kanthölzern. Einem Fahrer platzten dadurch Reifen – auch er konnte sein Fahrzeug auf dem Seitenstreifen zum Stehen bringen. Beim Eintreffen der Beamten stand die junge Frau noch auf der Brücke, neben ihr eine Sporttasche mit vier Pflastersteinen. „Ihre Hände und Kleidung waren dreckig. Sie hat kaum geantwortet, wirkte abwesend und nicht orientiert“, erinnerte sich ein Polizeibeamter im Zeugenstand. Vor Ort habe sie erklärt, sie sei joggen gewesen – in der Nähe stand allerdings ihr Fahrrad.

Vor Gericht gestand die 21-Jährige die Attacken. Ihr Motiv: „Ich wollte ins Gefängnis.“ Nach dem Abitur habe sie arbeiten wollen, die Haftanstalt schien ihr der geeignete Ort zu sein. Nach der Festnahme wurde sie in einer Klinik in Rheinberg untergebracht, setzte dort am 14. Januar einen Speisesaal in Brand. Dass die Taten im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen wurden, sei laut Anklage nicht auszuschließen. Ein psychiatrischer Gutachter begleitet den Prozess.

Mehr von RP ONLINE