Moers: Ein Spielmannszug mit Tradition

Moers: Ein Spielmannszug mit Tradition

Freitagabend, 20 Uhr. Seit 1954 ist es dasselbe Ritual: Im alten Saal der Schaephuysener Gaststätte Winters treffen die Mitglieder des Marinespielmannszuges zur Probe ein. Zurzeit sind es 29 Hobbymusiker zwischen 12 und 83 Jahren. "Kaum ein Schaephuysener ist jemals in diesem Saal gewesen oder ahnt, dass er sich überhaupt hier befindet", sagt der 57-jährige Tambourmajor Jürgen Buchwald, der seit seinem 14. Lebensjahr im Verein ist.

Der alte Saal atmet Geschichte, hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Bis 1983 wurden die alte Gaststätte Winters und der darüber liegende Saal hier betrieben. Er ist ein verstecktes Kleinod, doch für Buchwald und seine Mitstreiter ist er noch viel mehr. Er ist Treffpunkt und Heimat. Eine Heimat, die im Verlaufe dieses Jahres droht verloren zu gehen. Denn der Eigentümer möchte den Raum wohl anderweitig nutzen. "Das beschäftigt uns schon sehr", so Buchwald, "noch sind wir nicht gekündigt worden, aber es gibt Pläne.

" Die Gemeinde wisse von der drohenden Notlage des Traditionsvereins, erzählt Buchwald. Die Turnhalle der Grundschule schien als Ersatz in Frage zu kommen, jedoch ist diese am traditionellen Freitagabend durch Sportvereine belegt. Bislang ist der Verein nur einmal aus eigenen Traditionen ausgeschert: Gegründet als reiner Männerverein wurde der Verein 1987 für Frauen geöffnet. Gerda Buchwald, die Mutter des Tambourmajors, war eine der ersten.

Heute, nach 30 Jahren, steht sie immer noch an der Lyra. "Wenn wir die Mädels nicht hätten ...", sagt Buchwald schmunzelnd. Denn 60 Prozent der Mitspieler sind weiblich. Nachwuchssorgen haben die Schaephuysener auch nicht, obwohl Buchwald sagt: "Für den vollen Klang könnten es immer noch mehr sein."

(sabi)