Moers: Ein Repair-Café gibt's jetzt auch in Moers

Moers : Ein Repair-Café gibt's jetzt auch in Moers

Jeden zweiten Donnerstag bekommen die Besucher des Cafés handwerkliche Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern. Die Idee stammt aus den Niederlanden und hat weltweit Nachahmer gefunden.

Was macht man mit einem Bügeleisen, das kaputt ist? Oder mit dem Stuhl, bei dem ein Bein abgebrochen ist? Viel zu schnell landen diese Gegenstände einfach im Müll. Dagegen will das neu eröffnete "Repair-Café" angehen. Hier sollen kleine Gegenstände schnell wieder zum Laufen gebracht werden. Und das kostenlos.

Pünktlich eröffnete das etwas andere Café jetzt in der Werkstatt des SCI:Jugendsozialzenturms der Barbaraschule. Kurz nachdem der Schlüssel im Schloss umgedreht wurde, kamen schon die ersten Gäste und schauten gespannt in die Werkstatt. Mit einem freundlichen "Hallo" und einem Kaffee wurden sie von Uwe Neidling begrüßt. Neidling ist gelernter Schlosser und Mitglied des "Repair-Cafés". Mit seinen elf Teamkollegen will er ein Zeichen gegen die moderne Wegwerfgesellschaft setzen und möglichst viele Gegenstände wieder zum Laufen bringen. "Alle tragbaren Geräte können wir reparieren, das, was darüber hinaus geht, wie zum Beispiel Waschmaschinen eher nicht", erklärte Neidling.

Dabei können die Gäste den ehrenamtlichen Handwerkern über die Schulter schauen und auch selber mit anpacken. So sollen die Gäste hier auch lernen, wie man kleine Sachen wieder schnell zum Laufen bringt und dass man nicht alles gleich sofort wegschmeißen muss. Den zwölf ehrenamtlichen Helfern sind aber vor allem ein freundliches Klima und eine nette Arbeitsatmosphäre wichtig. "Unser Team zeichnet sich dadurch aus, dass es keinen Chef gibt, hier ist jeder gleich", sagte Neidling.

Eine der ersten Gäste ist Anita Goerke aus Moers. Sie hat gleich zwei kaputte Gegenstände aus ihrem Haushalt mitgebracht und hofft hier auf Hilfe. "Ich bin echt glücklich, dass es so was jetzt hier in Moers auch gibt", sagte die 75-Jährige. Viele Dinge traut sich Anita nicht mehr zu, aber ihre geliebte Espressomaschine oder die elektrische Kaffeemühle wegzuwerfen, kam für sie nicht in Frage. Und nach ein paar Handgriffen zeigte sich auch das erste Ergebnis: Die Mühle mahlt wieder. "Da hatte sich wahrscheinlich einfach eine Bohne verklemmt", erklärte sie. Mit der Espressomaschine sieht es dafür etwas schlechter aus, die Heizspirale hat den Geist aufgegeben. Dabei hilft ihr aber Hubert Theuss. Der gelernter Radio- und Fernsehtechniker will bis zum nächsten Mal für sie im Internet nach einem Ersatzteil schauen. Diese müssen die Gäste dann zwar selber zahlen, aber der Service bleibt kostenlos.

Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat bekommen die Besucher des Cafés hier handwerkliche Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern. Die Idee des Repair-Cafés stammt aus den Niederlanden und hat schon weltweit Nachahmer gefunden. Kleinere Materialien und Werkzeuge werden aber vom SCI:Moers gestellt. Die karitative Gesellschaft unterstützt das Projekt und hofft auf viele neue Gäste in der Werkstatt. Denn eine Nachbarschaftshilfe gibt es schon in der Barbaraschule. Die ist aber eher für kleinere Arbeiten im Haus zuständig, wie das Abnehmen von Gardinen oder das Abringen eines Wandhalters.

(anli)
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