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Unsere Woche: Ein Plädoyer für die Krähe

Unsere Woche : Ein Plädoyer für die Krähe

Ein englisches Sprichwort sagt "If you can't beat them, join them". Zu deutsch: Kannst du sie nicht besiegen, verbünde dich mit ihnen. Dieser Rat kann auch den von Krähenschwärmen geplagten Bürgern in Neukirchen nützen. Betrachten wir die Tiere doch mal von der sympathischen Seite. Die Vögel dauerhaft zu vertreiben, ist ohnehin schwer. Denn Rabenvögel sind enorm schlau. Sie sind sogar in der Lage, sich selbst im Spiegel zu erkennen - was ja selbst Menschen morgens im Bad nach einer langen Nacht nicht immer gelingt.

Sicher, Lärm und Dreck hat niemand gern. Aber dann müsste man auch alle Linden in den Städten fällen, denn die besprenkeln bekanntlich die Autos mit einer klebrigen Masse, die schwer abzukriegen ist. Mal ganz zu schweigen von dem Gekläffe und den Megatonnen Hundekot, die sich sämtliche Bürger in Deutschland gefallen lassen müssen, ohne dass ernsthaft zur Debatte stünde, Hunde aus dem öffentlichen Straßenbild zu entfernen.

Krähen sind faszinierende Vögel, wenn man mehr über sie erfährt. Dass sie unbeliebt sind, liegt daran, dass Rabenvögel - zu denen auch Dohlen und Elstern gehören - recht häufig sind. (Allerdings steht die Saatkrähe in manchen Bundesländern auf der Roten Liste). Für viele Menschen gehören Krähen offenbar in die gleiche Kategorie wie Großstadttauben und Ratten. Aber stellen Sie sich einmal vor, Krähen, Tauben und Ratten seien vom Aussterben bedroht und nur noch wenige Exemplare vorhanden. Welche Hymnen auf diese wunderbaren, einzigartigen Tiere, auf diese Spitzenleistungen von Mutter Natur wir lesen würden! Man würde ein Vermögen sammeln für die Krähen-, Tauben- und Rattenhilfe!

Und umgekehrt würde wohl niemand den Pandabären mehr niedlich finden, wenn er in Massen deutsche Vorgärten befallen und dort rülpsend seinen Appetit auf Pflanzen stillen würde.

Übrigens ist dies Gelegenheit zu einer Selbstkorrektur: Krähen und Elstern dürfen doch bejagt werden, nämlich in der Zeit vom 1. August bis zum 20. beziehungsweise 28. Februar. Darauf hat uns ein aufmerksamer Leser hingewiesen.

Stefan Gilsbach

(RP)