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Kamp-Lintfort: Ein neuer Weg, gute Pflege zu erkennen

Kamp-Lintfort : Ein neuer Weg, gute Pflege zu erkennen

Das Caritas-Haus St. Hedwig in Kamp-Lintfort nimmt teil an einem Modellprojekt, mit dem die verlässliche Überprüfung von Pflege und Lebensqualität der älteren Menschen möglich sein soll. Alle Bewohner spielen dabei eine Rolle.

Wer ein Pflegeheim für Angehörige sucht, der verlässt sich oft auf Mundpropaganda, auf die konkreten Erfahrungen von Verwandten und Bekannten. Die Verunsicherung ist groß. Schließlich ist regelmäßig von Pflegeskandalen in manche Einrichtungen zu lesen.

Fred Krusch kennt diese Befürchtungen. Er ist Leiter des Caritas-Hauses St. Hedwig in Kamp-Lintfort. "Der Medizinische Dienst der Krankenkassen führt einmal im Jahr eine unangemeldete Prüfung bei uns durch", sagt er. "Sie schauen nach, ob alles sauber ist und so." Doch Krusch hat Zweifel, ob diese Prüfungen und die danach erteilten "Pflegenoten" genug über die Lebensqualität der Bewohner aussagen. Denn nur wenige von diesen würden bei den üblichen, stichprobenartigen Besuchen angesprochen.

In der Pflegewissenschaft wird daher nach anderen Wegen gesucht. Zurzeit beteiligt sich das Caritas-Haus St. Hedwig an einem Modellprojekt. Der Titel klingt etwas trocken: "Ergebnisorientiertes Qualitätsmodell Münster". Das Ziel ist ein "alternatives System zur Ergebnis- und Lebensqualitätserhebung". Erarbeitet wurde das Verfahren durch das Bielefelder Institut für Pflegewissenschaft (IPW) und das Kölner Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG).

Projektleiterin ist Natalie Albert vom Caritasverband der Diözese Münster. "Wir entwickeln ein neues Instrument, um die Standards auf wissenschaftliche Weise zu überprüfen", erläutert sie. "Es geht darum, die Lebenswelt der Menschen zu verbessern." Der Anspruch des Projektes ist es, jeden der Bewohner zur Wort kommen zu lassen. Angesichts der vielen Demenzkranken — sie stellen etwa 75 Prozent der Bewohner —, klingt das erstaunlich. "In diesen Fällen", erklärt Albert, "führen wir Gespräche mit den Angehörigen, um ein Bild zu bekommen." Dabei wird mit klar definierten Fragebögen und sogenannten Indikatoren vorgegangen, um auswertbare Antworten zu erhalten. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass die Fälle von Dekubitus (das gefürchtete "Durchliegen") oder die Anzahl von Stürzen gezählt werden. Die Caritas hofft, dass dieses Verfahren eines Tages bei den Überprüfungen von Pflegeheimen regelmäßig eingesetzt wird. Fred Krusch stellt klar, dass es bei der Teilnahme an dem Projekt nicht um ein Gütesiegel geht, dass sich die Einrichtung dann auf den Briefkopf drucken kann: "Um eine externe Profilierung handelt es sich nicht."

Allerdings macht der Leiter keinen Hehl daraus, dass er das Haus St. Hedwig für gut aufgestellt hält. Er berichtet vom Alltag der Bewohner, von den Möglichkeiten der Einrichtung. Die Senioren können zum Beispiel selber am Kochherd kreativ sein. Als erste Senioreneinrichtung in Europa habe St. Hedwig einen Sky-Empfang für Sportübertragungen angeboten. Und auch Karneval wird im Heim gefeiert — gestern wurde unter anderem das Kranenburger Prinzenpaar erwartet.

(RP/rl)