Moers: Ein mutiger Pfarrer

Moers: Ein mutiger Pfarrer

In diesen Tagen wäre Eduard Hesse, langjähriger Pastor der evangelischen Pfarrgemeinde Hoerstgen, 100 Jahre alt geworden. Nachfolger Stefan Maser würdigt den Geistlichen, der auch in der Nazi-Zeit Haltung bewies.

Noch kein Jahr ist es her, dass Pfarrer Eduard Hesse zur letzten Ruhe gebettet wurde — auf dem Friedhof in Hoerstgen, in "seiner" Pfarrgemeinde, wo er von 1952 bis 1978 wirkte. Er war 99 Jahre alt, ein Alter, das an die Patriarchen des Alten Testamentes erinnert. Im diesem Oktober hätte er das Jahrhundert voll gemacht.

Für viele Gläubige in Hoerstgen, Rheurdt und Sevelen ist Eduard Hesse als Geistlicher noch gut in Erinnerung. Stefan Maser, der heutige Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Hoerstgen, hat eine ausführliche Würdigung seines Vorgängers verfasst. Darin schreibt er: "Außer den Erinnerungen an einen leidenschaftlichen und gründlichen Prediger und Theologen und an das Leben im und um das Pfarrhaus mit Friederike Hesse, sechs Kindern und deren Freunden sind auch viele Geschichten und Aussprüche lebendig geblieben, die ihn als originellen, lebhaften, fröhlichstreitbaren Menschen zeigen, mit dem es immer etwas zu erleben gab."

In der Zeit des Nationalsozialismus hatte Pfarrer Hesse es gewagt, sich gegen die Diktatur zu stellen, die eine gleichgeschaltete "deutsche" Kirche wollte. "Zusammen mit seinem Vater Hermann Albert Hesse, Pfarrer in Wuppertal, und seinen Brüdern gehörte er einem radikalen, entschiedeneren Flügel der sogenannten ,Bekennenden Kirche' an, der auch das Eintreten für die verfolgten Juden direkt zum christlichen Bekenntnis zählte", berichtet Stefan Maser.

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Diese Haltung brachte Eduard während des Kriegsdienstes mehrere "Himmelfahrtskommandos" ein, Vater und Bruder Helmut kamen ins Konzentrationslager Dachau. Dort kam der Bruder ums Leben. Diese Erlebnisse haben Eduard Hesse tief geprägt. So setzte er sich später für Kriegsdienstverweigerer ein.

Auch nach seiner Pensionierung hielten der Pfarrer und seine Familie Kontakt zur Gemeinde in Hoerstgen. Das Ehepaar verbrachte seinen Ruhestand in einem kleinen Haus im Westerwald. Dorthin fuhren der Posaunenchor und der von Friederike Hesse ins Leben gerufene Mütterkreis auf Besuch.

www.kirche-hoerstgen.de

(RP/ac)
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