Moers: Ein Heimspiel im Hinterzimmer für Norbert Ballhaus

Moers : Ein Heimspiel im Hinterzimmer für Norbert Ballhaus

Der Bürgermeister stellte sich in Utfort den Fragen der Parteibasis von der Rheinkamper SPD-Arbeitsgemeinschaft 60 plus.

Die Sonne scheint auf die Holzbänke der Pizzeria Mundo in Utfort. Bürgermeister Norbert Ballhaus blinzelt auf sein Pils und genießt jede Minute im Freien. Dann ruft die Pflicht. In einem fensterlosen Hinterzimmer, das mit zwölf Menschen gut gefüllt ist, wartet die SPD Arbeitsgemeinschaft 60 plus auf den Genossen aus dem eigenen Ortsverein, der im kommenden Jahr als Bürgermeister wiedergewählt werden möchte. Seit zwei Wochen ist klar, dass Ballhaus mit Christoph Fleischhauer ein ernstzunehmender CDU-Kandidat gegenüberstehen wird. Man könnte daher meinen, dass die Genossen von ihrem Kandidaten zu wissen begehren, wie er sich dem neuen Herausforderer stellen will. Ballhaus scheint diese Vermutung wohl ebenfalls gehegt zu haben, denn er liefert zu Beginn der Gesprächsrunde gleich eine Vorlage, indem er erläutert, warum er sein Amt vorzeitig zur Verfügung stellen will.

Er nennt die Wahltermine und rühmt den Einsatz der Anwesenden in der Vergangenheit bei ähnlichen Terminen. Eigentlich müsste jetzt die Frage nach dem Herausforderer kommen, nach den Chancen , die Ballhaus sich ausrechnet oder nur die Frage, wie der Bürgermeister sich am 26. Juni präsentieren will, wenn er sich dem Rheinkamper Ortsverein als Kandidat vorstellt.

Doch nichts von alledem bewegt die SPD-Senioren. Einen ärgert, dass er bei der Enni immer so lange in der Warteschleife hänge. Das sei doch früher unter städtischer Regie alles viel besser gewesen. Ballhaus, ganz Bürgermeister und Enni-Aufsichtsratsvorsitzender, mahnt, dass man die wirtschaftlichen Töchter der Stadt stärken müsse. Er fügt hinzu, dass ihn ärgere, dass man in der Stadt immer mehr Müll liegen sehe. Dafür sei aber nicht die Enni verantwortlich, die den Dreck kostenaufwendig beseitigen müsse, sondern "teils kriminelles Handeln".

Es dauert genau eine Runde von sechs Weizenbier, fünf Pils und einem Wasser, dann ist der Stammtisch wirklich einer. Einer der Anwesenden klagt, dass zuwandernde Bulgaren und Rumänen den Kommunen auf der Tasche lägen. Da sollte man doch am besten das Kindergeld komplett streichen und lieber die Kindergartengebühren erlassen. Kindergartenbeitragsfreiheit sei doch schließlich eine alte Forderung der SPD. Dann ist das Thema Schule an der Reihe. Ein Senior bemängelt, dass Lehrer heutzutage keine Respektspersonen mehr seien. Das sei in Finnland ganz anders, weshalb der Finne auch ein besseres Bildungssystem habe.

Was das mit Kommunalpolitik zu tun hat? Gar nichts. Aber es musste wohl mal gesagt werden. Zum Schluss kriegt Ballhaus wieder die kommunalpolitische Kurve. Das leer stehende Rathaus Utfort solle schnellstmöglich an einen Investor verkauft werden. "Wenn er seriös ist", sagt einer am Tisch. "Wenn er seriös ist", bestätigt Ballhaus.

(RP)
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