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Moers: "Ein falsches Bild vom Islam"

Moers : "Ein falsches Bild vom Islam"

Heute will die rechtspopulistische Bewegung "Pro NRW" vor der Kocatepe-Moschee in Hochstrass demonstrieren. Wie ist die Stimmung unter den Muslimen vor Ort? Die RP hörte sich beim Freitagsgebet um.

Zum wöchentlichen Freitagsgebet versammeln sich die Moerser Muslime in der Kocatepe-Moschee in Hochstrass. Es wird nicht nur zusammen gebetet. Jung und Alt setzen sich zusammen und diskutieren bei einer Tasse Tee über aktuelle Themen.

Die bevorstehenden Landtagswahlen am 13. Mai in NRW stehen auch für die Gemeinde im Mittelpunkt der Gespräche. Besonders die rechtspopulistische Bürgerbewegung Pro NRW sorgt für regen Gedankenaustausch. Denn im Rahmen des Landtagswahlkampfes findet heute um 14 Uhr vor der Kocatepe-Moschee die vierte Kundgebung ihrer "Freiheit statt Islam"-Tour statt.

Was damit in der islamischen Gemeinde Moers ausgelöst wird? "Weder Zorn noch Angst. Denn jeder hat das Recht auf eine freie Meinungsäußerung solange keine Grenzen überschritten werden", sagt Erdogan Ates. "Traurig ist nur, dass viele ein falsches Bild vom Islam haben", ergänzt ihn sein Freund Güven Kilic.

Die Stimmung ist heiter. Keiner lasse sich aus der Ruhe bringen, denn das wäre es, was Pro NRW erreichen wolle, sind sich die Gemeindemitglieder einig. "Am liebsten würden wir die Kundgebung ignorieren, aber untätig wollen wir nicht bleiben", verrät Ramis Savun, neuer Vorsitzender der DITIB Türkisch Islamische Gemeinde zu Moers.

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Mit Kaffee und Tee wollen die Gemeindemitglieder heute Mittag um zirka 13.15 Uhr auf dem Vorplatz der Kocatepe-Moschee genau diese Stimmung vermitteln. "Wir fühlen uns hier in Moers wohl und halten deshalb zusammen", stellt Birol Acar, ein Gemeindemitglied, klar. Nicht nur Muslime werden sich versammeln.

Zahlreiche Vereine und Organisationen vereinen sich heute Mittag, um zu zeigen, dass Moers "bunt ist, nicht braun", so der Aufruf des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage Moers. Eine Menschenkette soll dies zum Ausdruck bringen. Bereits zweimal in den letzten zwei Wochen habe sich die Gemeinde mit zahlreichen Vertretern politischer Parteien und Wohlfahrtsverbänden zu Diskussionsrunden an einen Tisch gesetzt, erzählt Savun.

Pro NRW vertritt unter anderem den Standpunkt, dass der Islam eine "enorme Bedrohung für unsere Demokratie" sei — so steht es im Kurzwahlprogramm auf der Internetseite. Ramis Savun entgegnet: "Wer sich mit dem Islam ein wenig auseinandersetzt, wird demokratische Strukturen erkennen." Bedauerlich fände er, dass durch Sprüche und Symbole wie der rot durchgestrichenen Moschee auf den Wahlplakaten versucht würde, das negative Bild des Islams in die Gesellschaft zu etablieren.

Heute wollen die Moerser keinen Platz für Vorurteile bieten. "Wenn auch noch die Sonne scheint, dann ist der Tag perfekt. Provozieren lassen wir uns keineswegs", schmunzelt Fatih Yalcin.

(RP/jco)