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Moers: Ein Facelift für die Plastische Chirurgie

Moers : Ein Facelift für die Plastische Chirurgie

Die Abteilung am Bethanien-Krankenhaus, gleichzeitig eine Privatpraxis, präsentiert sich in neuen, renovierten Räumen.

Der eine schneidet sich beim Stutzen der Hecke den Finger ab, die andere will ihre Lachfältchen loswerden: Bei Prof. Dr. Robert Hierner sind beide in guten Händen. Das Annähen des Fingers zahlt die Krankenkasse, für die Schönheitskorrektur muss die Patientin selbst aufkommen. Genau deshalb ist die Abteilung für Plastische, Ästhetische, Wiederherstellungs- und Handchirurgie am Bethanien-Krankenhaus auch ein Zwitter: einerseits eine Sektion des Krankenhauses, andererseits eine private Arztpraxis. "So können wir alle Patienten adäquat behandeln", sagt Hierner, der Abteilung seit September 2012 zusammen mit seiner Ehefrau Dr. Lorena Hierner aufbaut.

Bislang provisorisch im Nebengebäude des Krankenhauses untergebracht, verfügen die beiden Spezialisten (die bald durch einen weiteren Facharzt verstärkt werden sollen) nun über eigene, frisch renovierte Räumlichkeiten mit eigenem Sekretariat, Warte-, Ärzte- und Behandlungszimmern. "Die Nachfrage wächst, wir brauchten dringend mehr Platz", sagt Hierner. Rund 1000 Patienten pro Jahr suchen Rat beim ihm und seiner Frau. Bei etwas weniger als der Hälfte davon gehe es um rein ästhetische Eingriffe. Vor allem die "Faltentherapie" stehe hoch im Kurs, aber auch das Richten der Augen, das Straffen oder Vergrößern der Brust bei Frauen, das Fettabsaugen - bei Männern vor allem an der Taille, bei Frauen an Bauch und Oberschenkeln. "Müde Augen" wieder zum Leuchten zu bringen koste 2000 bis 4000 Euro, je nachdem ob lediglich die Lider angehoben oder auch die Tränensäcke gestrafft und andere Maßnahmen gewünscht werden. Die Kunst bestehe darin, die Augen leuchten zu lassen, ohne dass selbst gute Freunde auf die Idee kommen, jemand habe sich operieren lassen.

35 Prozent der Patienten sind Männer. "Viel mehr als man denkt", sagt Dr. Lorena Hierner. Die Patienten kommen vom Niederrhein, aus dem Ruhrgebiet, aus Düsseldorf und von weiter her. Gestern war zum Beispiel ein Niederländer da, um Fett absaugen und transplantieren zu lassen: Damit lassen sich Falten unterfüttern, so dass die Haut wieder glatt wird. Die Hierners wurden dem Holländer von einem anderen Patienten empfohlen. Solche Mundpropaganda ist ihnen die liebste Werbung. "Am besten ist, wenn man das Ergebnis einer Behandlung bei einem anderen sehen kann", sagt Lorena Hierner.

Doch es wäre falsch, die Plastische Chirurgie ausschließlich mit betuchten, eitlen Menschen zu verbinden. Prof. Dr. Robert Hierner behandelt zum Beispiel Babys mit angeborenen Handfehlbildungen ebenso wie Kinder mit angewachsenen Ohren oder Jungen mit weiblicher Brustbildung. "15 bis 20 Prozent haben das, bei fünf bis zehn Prozent ist es behandlungsbedürftig." Er rekonstruiert weibliche Brüste nach Krebs-OPs, er beseitigt die "Löcher", die Druckgeschwüre im Körper von bettlägerigen Patienten hinterlassen können. Ein Drittel aller Fälle betreffe die Hände.

Kleinere Eingriffe führen Robert und Lorena Hierner in den eigenen Behandlungsräumen durch, für größere stehen die OP-Säle im Hauptgebäude des Krankenhauses zur Verfügung, wo die Plastische Chirurgie auch ihre Krankenzimmer hat. "Wir können die guten Strukturen von Bethanien nutzen", freut sich Prof. Dr. Hierner. "Sollte ein Notfall eintreten, wissen unsere Patienten, dass sie im Krankenhaus sicher aufgehoben sind."

(RP)