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Moers: Ein Don Quijote für zwei Schauspieler

Moers : Ein Don Quijote für zwei Schauspieler

Das Schlosstheater Moers probt derzeit im großen Saal des ehemaligen Rathauses an der Meerstraße sein neues Kinderstück. Patrick Dollas und Matthias Heße schlüpfen in die legendären Rollen des Cervantes-Klassikers.

Es braucht nicht viel Fantasie, sich den Ratssaal mit seiner hohen Decke als einen Rittersaal vorzustellen — mit raubeinigen Abenteuerern in glänzenden Rüstungen und ihren Knappen. Mitten im Saal befindet sich eine festliche Tafel. So viel gibt Regisseurin Susanne Zaun schon vom Bühnenbild preis, in dem sich das neue Kinderstück des Schlosstheaters in ein paar Wochen entrollen wird.

Die Frankfurterin inszeniert für die Bühne eine kindgerechte Version des Cervantes-Klassikers "Don Quijote", der Geschichte um den dürren Ritter, der mit seinem Begleiter Sancho Pansa in eine Welt voller Abenteuer zieht, in der sich ihnen Windmühlen wie Riesen in den Weg stellen. "Das Buch ist zwar ein dicker Schinken. Es erzählt aber eine tolle Geschichte, die voller Themen und Fährten steckt", sagt die Regisseurin, die zum ersten Mal in Moers ein Stück inszeniert — und zum ersten Mal eines für Kinder zwischen fünf und elf Jahren. "Ja, das ist sozusagen mein Kinderstück-Debüt", sagt Susanne Zaun, die sich in Frankfurt/Main vor allem freien Projekten widmet und auf das chorische Theater spezialisiert hat.

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"Es geht um wichtige Themen wie zum Beispiel Freundschaft und Vertrauen. Da stehen zwei füreinander ein", betont die Regisseurin, warum sie sich entschlossen hat, Don Quijote in der Grafenstadt zu inszenieren. "Da kämpft einer wider besseren Wissens gegen Windmühlen und holt ein Fantasiereich in sein Leben." Die Idee, den Klassiker aus dem Jahr 1605 auf die Bühne zu bringen, hatten die beiden Schauspieler Patrick Dollas und Matthias Heße schon seit langem. "Wir haben uns gegenseitig angesehen und gesagt: Es wird Zeit, den Don Quijote zu spielen", sagt Matthias Heße lächelnd.

"Wir haben Spaß, solche Figuren zu spielen, und sind ein bisschen darauf ausgelegt, Abenteuerer auf die Bühne zu bringen", fügt Patrick Dollas hinzu und spielt auf die szenischen Lesungen in der Moerser Szenekneipe "Röhre" an, wo sie dreimal als Harry & Winston die Prairie unsicher machten. Wer jedoch glaubt, im Don-Quijote sei die Rollenvergabe eine abgemachte Sache, hat weit gefehlt. "Wir haben uns für einen permanenten Rollenwechsel entschieden. Die Spielregeln werden im Verlauf immer wieder neu verhandelt", erklärt Susanne Zaun, die auch die Textfassung für den Moerser Don Quijote geschrieben hat.

Die Rollenwechsel werden die Kinder schnell erkennen, verspricht die Theaterfrau. Sie sollen in ihrer Inszenierung mehr als Zuschauer sein. "Sie sind Gäste einer großen Feier mit festlicher Tafel. Alle warten auf den Ehrengast, der aber nicht kommt", resümiert die Regisseurin, die in Gießen angewandte Theaterwissenschaft studiert hatte. "Um das Warten zu verkürzen, erzählen zwei Gäste, Patrick Dollas und Matthias Heße, die Geschichte des Ritters von der traurigen Gestalt. Für die Ausstattung des Stücks zeichnet Mamoru Iriguchi verantwortlich, ein Bühnenbildner, der in London lebt und arbeitet.

Das Bühnenbild bietet viele spannende Möglichkeiten. Es ist mal Tafel, mal Tunnel, mal Laufsteg — mit eingebauten Schlupflöchern. Dort proben gerade Heße und Dollas. Sie spielen auf und unter den Tischen, quetschen sich durch Luken. Und dann sagt Heße: "Langsam reicht's mit dem Knappe-Sein. Jetzt bin ich Don Quijote." Gesagt, getan.

(RP)