Neukirchen-Vluyn: Ein Besuch in den Gemächern der Zeit

Neukirchen-Vluyn: Ein Besuch in den Gemächern der Zeit

Das Uhrenmuseum in Vluyn hat Johannes Rebbelmund in vielen Jahren zusammengetragen. Heute hütet Ehefrau Margarete die Stücke.

Es muss ein besonderes Erlebnis sein, am 31. Dezember um 23.59 Uhr in diesen Räumen zu stehen und dann zu hören, wie zahllose Klöppel, Hämmerchen, Glockenspiele und Pieper das neue Jahr ankündigen.

Kostbar verziert präsentieren sich viele Ausstellungsstücke im Vluyner Uhrenmuseum. Doch auch Kuriosa sind zu bewundern. Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Denn im privaten Uhrenmuseum in Vluyn dreht sich alles um die Zeit und die Art, wie Menschen sie gemessen haben — von der Sanduhr bis zum modernen Chronometer mit Quarz und Solartechnik.

Ein wenig wie in den Räumen von Meister Hora, dem Verwalter der Zeit aus "Momo", darf sich der Besucher fühlen, wenn er die Kellerräume an der Niederrheinallee betritt. "Früher war hier eine Kegelbahn", sagt Margarete Rebbelmund (81). Doch dann begann ihr Ehemann Johannes historische und ungewöhnliche Uhren zu sammeln. Inzwischen bietet die Ausstellung Einblicke in das Handwerk der Uhrmacher aus früheren Zeiten.

Auch Margarete Rebbelmund, die nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2009 Hüterin der Ausstellung wurde, trägt den Meistertitel als Uhrmacherin. "Das war damals noch eine Seltenheit", sagt sie und lächelt. Und so kann sie als Fachfrau präzise erklären, wozu die feinen Instrumente an den alten Werktischen gedient haben, die ebenfalls zu bewundern sind. Dort fällt ein Gerät namens "Ticko-Graph" ins Auge. Ein kurioser Name. Die Führerin lacht und erklärt: "Die Uhren wurden darauf gespannt, dann könnte man anhand eines Diagrammes ablesen, inwieweit es Abweichungen gab."

Auf Veranlassung der Stadtverwaltung wurde der Bestand des Museums vor einigen Jahren von Experten des Landschaftsverbandes gesichtet. Das Ergebnis war die Ausstellung "Zeitzeichen" in der Vluyner Kulturhalle, die in unmittelbarer Nähe liegt. Wer heute das Museum besuchen möchte, kann einen Termin mit Margarete Rebbelmund vereinbaren.

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Als das Prunkstück unter den Exponaten kann eine Turmuhr aus Sevilla gelten. Sie stammt aus dem Jahr 1868 und fällt alleine schon durch ihre Größe und den durchdringenden Klang der Schläge auf. "Aber eine Kostbarkeit ist die Uhr mit Eisenplatinen aus dem Jahr 1715", sagt Frau Rebbelmund.

Oft besuchen Schulklassen, die gerade die Uhr durchnehmen, die langgezogenen Räume. Was Ihnen besonders gefällt, verrät ein Brief, den Kinder vor Jahren an Johannes Rebbelmund schrieben. Darin heißt es, "die Gemüseuhren" wären ganz toll gewesen. Gemeint sind Swatch-Uhren, die aussehen wie Gurken oder Tomaten.

Für Margarete Rebbelmund sind das nette Spielereien, doch sie schätzt vor allem die alte Handwerkskunst. Deshalb duldet sie am eigenen Handgelenk nur eine Uhr, die noch aufgezogen werden muss.

Ihr Ehemann hat nicht nur Uhren, sondern auch Schmuckstücke gesammelt. Außerdem finden Besucher im Museum einige Stücke niederrheinischer Keramik, wie sie beispielsweise in Schaephuysen Tradition hat.

Das verweist übrigens auf die Herkunft des Uhrmachergeschäftes Hubben. Es wurde im Jahr 1896 in Rheurdt gegründet. Heute führt Margarete Rebbelmunds Sohn Peter den Familienbetrieb schon in vierter Generation. Wie doch die Zeit vergeht.

(RP/ac)
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