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Moers: Ein behutsamer Berserker am Klavier

Moers : Ein behutsamer Berserker am Klavier

Das Klavierfestival Ruhr präsentierte in Moers den aus Sibirien stammenden Pianisten Sergei Redkin. Er ist Stipendiat des Jahres 2017. Das Klavierfestival gibt regelmäßig ein Konzert in Moers.

Mit einem im übertragenen Sinne mächtigen Paukenschlag eröffnete im Moerser Martinstift das Klavier-Festival Ruhr seine laufende Saison nun auch am Niederrhein. Inhaltlich ließ sich das gebotene Klavierkonzert jedoch eher von pianohaften Glockenschlägen leiten, die sich musikdramaturgisch wie ein roter Faden durch das abendliche Programm zogen. Ausgesucht, zusammengestellt und vorgetragen hat es der junge Pianist Sergei Redkin. Der Musiker, den die Preisträger des letztjährigen Klavier-Festivals, als Stipendiat 2017 nominierten, stammt aus Krasnojarsk, der drittgrößten Stadt Sibiriens. Sein jetziger Auftritt in Moers war zugleich sein Debüt als Teil dieses Stipendiums, das seit zwanzig Jahren auf dem Klavier-Festival vergeben wird.

Das Festival selbst feiert in diesem Jahr dazu noch sein 30-jähriges Bestehen. Unter dem Motto "Vive la France!" hat es in seiner Jubiläumsspielzeit Frankreich zum Thema gewählt. Und in genau diesem Sinne erklang das kurzweilig präsentierte Abendprogramm im Kammermusiksaal des Martinstifts. Das Konzert war nicht nur ausverkauft, sondern bis zur letzten Minute bis auf den letzten Platz besetzt geblieben. Denn Redkin behandelte die Tastatur seines Instruments nicht nur berserkerhaft intensiv, sondern auch behutsam weich - und das äußerst sehens- und vor allem hörenswert. Kein Wunder, hat er sich zur Programmfindung mit den französischen Komponisten Camille Saint-Saëns und Claude Debussy sowie den Russen Sergej Prokofjew und Sergej Rachmaninow und ihren dazugehörigen Werken musikalische Vertreter einer vergangenen Romantik ebenso wie aufbrechenden Moderne eingeladen.

Doch über diese Verbindungen hinaus, standen die eingangs schon erwähnten musikalischen Glockenschläge: Die ersten hörte man in der Sonate Nr. 9 von Sergej Prokofjew im dortigen stürmischen vierten Satz ("Allegro con brio, ma non troppo presto"), den der Komponist mit einem fernen, hellen Glockengeläut ausklingen lässt. Etwas dunkler lässt Camille Saint-Saëns seine "Abendglocken" (Les cloches du soir op. 85) läuten. Doch obwohl in Zeiten sich anbahnender Umbrüche zu Papier gebracht, zeichnet die kleine Tonmalerei ein friedvolles Stimmungsbild. Dem Glockenklang setzt auch Claude Debussy im Anfangsstück des zweiten Heftes seiner "Images" ein pianistisches Denkmal. In den "Cloches à travers les feuilles" ("Glocken, durch das Laub hallend") verwob er das ferne Läuten mit dem nahen (Wind-)Spiel des Herbstlaubes. Schließlich noch Sergej Rachmaninow in seinen "9 Etudes-Tableaux op. 39": Als sakrale Reminiszenz ist das Spiel der Glocken in seine letzten drei Etüden eingeschrieben.

Am Freitag, 22. Juni, um 20 Uhr macht das Klavierfestival Ruhr in der Stadthalle Rheinberg Station.

(reife)