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Moers: Eigentümer kämpfen ums Wall-Zentrum

Moers : Eigentümer kämpfen ums Wall-Zentrum

Das Wallzentrum ist die älteste Moerser Einkaufspassage. Doch das Konzept von früher ist heute nicht mehr zeitgemäß. Als Dienstleistungspassage will man sich künftig gegen die drohende Konkurrenz der Grafen-Galerie behaupten.

"Ein Hauch von Hundertwasser", sagt Siegfried Kolassa, Inhaber des Musikgeschäfts und der Musikschule im Wallzentrum und erinnert sich. So habe der damalige Moerser Stadtdirektor Heinz Oppers über die 1975 eben erst eröffnete Einkaufspassage Wall-Zentrum geschwärmt. Doch der Glanz ist weg. Während die Steinstraße mit Geschäften floriert und mit der Grafen-Galerie das nunmehr schon vierte Einkaufszentrum in der Stadt angesiedelt werden soll, entdeckend zunehmend Jugendliche das Wallzentrum als nachmittäglichen Treffpunkt. Zufällig verirren sich nur wenige Kunden in das ehemalige Prunkstück der Grafenstadt, die mehr als hundert Mieter von Wohnungen und Geschäften beherbergt.

Doch die Eigentümergemeint verbreitet Aufbruchstimmung: "Wir sehen uns als Dienstleistungspassage statt als Einkaufszentrum", sagt Kolassa. So wolle man sich gegenüber den Einkaufszentren und der Fußgängerzone behaupten. Er hat beobachtet, wie sich das Einkaufsverhalten der Bürger gewandelt hat:. "Jedes Angebot wird mit dem Smartphone sofort überprüft, und am Ende wird im Internet bestellt", beklagt Kolassa. Dabei hätte man mit ihm zum Beispiel in Sachen Musikinstrumenten und Konzert-Technik einen Ansprechpartner vor Ort. "Wir müssen, um den Handel zu stärken, das Geld in Moers lassen", so sein Credo. "Ich gehe doch auch zu meinem Zahnarzt des Vertrauens", sagt er vergleichend.

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So sieht es auch Hans Schülling. Seit rund 30 Jahren sitzt er im Wall-Zentrum und betreibt heute das Geschäft Nimo-Grafik. Er verspricht "Know-how in Sachen Gestaltung und Werbung". "Das Wallzentrum ist durch die Medien zum Sorgenkind geworden", erklärt er. Und das, obwohl sich viel zum Positiven verändert habe. Flure wurden renoviert, insgesamt ist alles heller gestaltet worden. Zudem habe die Eigentümergemeinschaft allein für die neuen Stelen vor dem Eingang fast eine Viertelmillion Euro investiert. "Der Grundtenor der Kunden hat sich geändert", sagt Schülling. Von ihnen erhalte er positive Resonanz zum Wallzentrum.

Doch gibt es noch immer viele, die die Passage meiden. Dabei habe man mit einem Sicherheitsdienst auch das Problem mit den herumlungernden Jugendlichen im Griff, weiß Gebäude-Verwalter Serder Akus. "Die Kunden sollen sich hier doch ihr eigenes Bild machen", sagt er. Viele würden das Wallzentrum nur vom Hörensagen kennen und deswegen nicht hierher kommen.

Derzeit können sich die Eigentümer sogar über Zuwachs freuen: Eine Männer-Mode-Boutique sowie ein Restaurant sollen schon bald eröffnen. Siegfried Kolassa freut sich über die Neuzugänge. "Die neuen Einrichtungen sehen sehr modern aus", sagt er. "Eine gute Werbung für uns alle."

(RP/ac)