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Moers: Ehrenmal-Retter suchen Zeitzeugen

Moers : Ehrenmal-Retter suchen Zeitzeugen

In Asberg haben Bürger eine erfolgreiche Initiative zur Rettung des Kriegerdenkmals gestartet. Jetzt werden Zeitzeugen gesucht, die selbst Krieg, Flucht und Vertreibung miterlebt haben. Für Sonntag ist ein erstes Treffen geplant.

Wenn die syrische Flüchtlingsfamilie, die im obersten Stockwerk des ehemaligen Asberger Küsterhauses an der Drususstraße untergebracht ist, aus ihrem Fenster nach Osten schaut, blickt sie jenseits der Römerstraße auf einen Flecken ernüchternder Trostlosigkeit. Dort rottet das Asberger Ehrenmal vor sich hin. Tritt man der halbkreisförmigen Mauer mit dem Eisernen Kreuz aus Beton näher, wobei tunlichst auf die großzügig verteilten Hundehaufen achtzugeben ist, gewinnt das Ensemble noch einmal erheblich an Schäbigkeit: Abgeplatzte Treppenstufen, beschmierte Wände, zentimeterdicker Dreck. "An Volkstrauertagen wusste man gar nicht richtig, wohin man sehen sollte, wenn man auf das Ehrenmal zuging", erinnert sich Frank Eichholz, Vorsitzender der Asberger Bürgergemeinschaft. Doch bald sollen für das Mahnmal bessere Zeiten anbrechen. Gemeinsam mit Vorstandskollege Bernd Herz und Pfarrerin Martje Mechels will er mit der Unterstützung möglichst vieler Asberger Bürger das Ehrenmal samt umliegendem Gelände wieder herrichten.

Inzwischen ist das auch Beschlusslage der Stadt, der ein Asberger Landwirt das Grundstück samt dem Ende der zwanziger Jahre errichteten Denkmal übertragen hatte. Sie ließ bereits das Gelände von Buschwerk befreien - mit dem Ergebnis, dass das Bauwerk nun völlig ungeschützt den Blicken freigegeben ist. Deshalb soll mit der Restaurierung schnell, möglichst noch bis zu den Sommerferien, begonnen werden.

Dabei soll es aber nicht nur um die bautechnische Überarbeitung eines Gewerks, sondern auch um die geistige Auseinandersetzung mit der Geschichte gehen. Ein historischer Unglücksfall wird l dabei zum Ausgangspunkt für eine Neuinterpretation werden. In den 70er-Jahren verschwanden die sechs Tafeln mit den Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Asberger Bürger während einer Renovierungsaktion auf bislang ungeklärte Art und Weise. Diese Leerstellen sollen nun neu belegt werden. Die Fotografin Andrea Zmrzlak und die aus Asberg stammende Künstlerin Wilma Specht arbeiten bereits an einem Projekt, um die Tafeln durch Fotos zu ersetzen.

Das hatte im Ortsteil eine Zeit lang für Irritationen gesorgt, weil der Eindruck entstanden war, die Namen der Gefangenen, sollten durch Flüchtlingsbilder ersetzt werden. Das, betont Martje Mechels, sei so nicht richtig. Man wolle zwar eine Brücke schlagen von den Welt-Kriegsopfern bis zu den Kriegsflüchtlingen der Gegenwart, dabei gehe es jedoch um die Opfer aller Kriege, deren Erinnerungen sich in dem Mahnmal wiederfinden sollen. Mechels: "Es soll ein Kriegerdenkmal bleiben, aber auch ein Friedensmahnmal werden." So stießen die Asberger bei der Suche nach möglichen Motiven auf eine 92-Jährige, die nach dem Zweiten Weltkrieg von den Russen verschleppt und Jahre lang in einem Lager festgehalten wurde.

Gerade in Asberg ist von solchen Erinnerungen wenig überliefert geblieben. "Über das Römerlager vor 2000 Jahren weiß man einiges", sagt Eichholz. "Über Asberg seit 1100 nach Christus aber kaum noch etwas." Die Restaurierung des Denkmals soll Gelegenheit bieten, das zumindest teilweise zu ändern: Für ein Erinnerungscafé am Sonntag, 2. April, 15.30 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum in Asberg, suchen die Organisatoren noch Zeitzeugen, die mit ihren Erinnerungen, Fotos oder anderen Dokumenten zur Asberger Dorf-Historie beitragen können.

(RP)