Moers: Dunkle Wolken über Festival-Campern

Moers : Dunkle Wolken über Festival-Campern

Moers Marketing prüft die Chancen, Händlermarkt und Camping beim Umzug des Festivals in die Halle zu erhalten.

Auf Michael Birr ruhen derzeit die Hoffnungen vieler Moerser, die das Flair von Campern und Händlern über Pfingsten nicht missen möchten. Bis August soll er eine Vorlage für seinen Aufsichtsrat erstellen, aus der hervorgeht, ob die Zeltstadt, die seit vielen Jahren während des Moers-Festivals entsteht, erhalten bleiben kann. "Dabei muss man sowohl die emotionalen als auch die wirtschaftlichen Aspekte im Auge haben", betont Birr. Er wagt keine Prognose, wie die Sache ausgehen wird. Gerade erst seien die ersten Gespräche geführt worden.

Im kommenden Jahr wird das Festival nicht mehr wie in den vergangenen beiden Jahrzehnten im Zirkuszelt stattfinden, sondern 800 Meter vom ehemaligen Standort im Freizeitpark entfernt in der ehemaligen Tennishalle am Solimare. Dort lässt sich angeblich billiger musizieren. Die Stadt hatte zuvor im Rahmen der Haushaltskonsolidierung eine Mittelkürzung von 40 Prozent (240 000 Euro) für das Festival verhängt.

Über den Streit, ob der vom Land mit 1,3 Millionen Euro bezuschusste Umbau der Halle in eine Festival-Spielstätte ein sinnvolles Unterfangen wäre, geriet das Schicksal von Campern und Händlern anfangs aus dem Blickfeld. Das hat sich spätestens seit dem letzten Festival deutlich geändert. Vertreter aller politischen Richtungen betonten, wie wichtig die Zelt- und Budenstadt für das Flair des Festivals sei. Doch der Stadt Moers sind die Hände gebunden. "Als Stadt im Stärkungspakt II ist es uns leider nicht möglich, den Händlermarkt selbst zu organisieren", betont Bürgermeister Norbert Ballhaus (SPD). "Ob eine Übernahme durch Dritte wirtschaftlich möglich ist, muss noch geprüft werden."

Ob dieser Dritte tatsächlich Birr ist, steht ebenfalls noch nicht fest. Aber die Fakten, mit denen Moers Marketing rechnen muss, dürften die gleichen sein, mit denen auch Birr kalkuliert: Zum diesjährigen Festival schlugen Besucher 750 Zelte auf. 60 Prozent von ihnen waren im Besitz einer Festivalkarte. "Beim Festival 2012 war das Verhältnis noch umgekehrt", berichtet Ulrich Greb, der Chef der Moerser Kultur GmbH, die bislang Händlermarkt und Zeltstadt organisiert hat. Zwischen 20 000 und 25 000 Euro Überschuss erwirtschafteten die Organisatoren.

Aber was sind diese Zahlen wert, wenn die Konzerte künftig fast einen Kilometer entfernt auf der anderen Seite der Venloer Straße in einer abgeschlossenen Halle stattfinden? "Schließlich muss Greb im unmittelbaren Umfeld der Halle ebenfalls etwas anbieten", gibt Birr zu bedenken. Die Kultur GmbH würde gerne Inhabern einer Festivalkarte Zeltmöglichkeiten auf den Wiesen am Bettenkamper Meer außerhalb des Freibadgeländes anbieten. Für Nur-Camper müsste wiederum Michael Birr oder ein anderer Anbieter eine Möglichkeit zum Zelten schaffen.

Bislang kamen 100 Händler und Gastronomen zum Festival. Würde sich überhaupt noch jemand für den alten Budengassenstandort interessieren, wenn es bereits ein Angebot unmittelbar an der Spielstätte gibt? Wahrscheinlich nicht. "Möglicherweise müsste man dann im Freizeitpark ebenfalls eine Bühne aufbauen und ein Programm anbieten", sagt Greb. Tatsächlich will Birr diese Möglichkeit prüfen.

Aber selbst wenn er zu dem Schluss kommen sollte, dass sich ein solches Modell rechnen könnte, hätte Greb Bedenken, ob es sinnvoll ist, zu Pfingsten eine Parallel-Veranstaltung für Nicht-Jazzinteressierte aus dem Boden zu stampfen. "Wenn dahin dann Zehntausende strömen, würde sich doch der gesamte Fokus des Festivals verändern", sagt Greb. Der Jazz wäre nur noch ein Randprodukt.

Bislang allerdings hat auch Greb nur eine grobe Vorstellung davon, wie viele Händler und Camper in unmittelbarer Nähe des Festivalhalle untergebracht werden könnten. Zunächst müssten im Sommer noch Sicherheitsfragen geklärt werden. Er möchte sich nicht festlegen, aber er lässt deutlich durchblicken, dass er, anders als Teile der Politik, einen riesigen Händlermarkt nicht als unverzichtbaren Bestandteil des Moers-Festivals betrachtet: "Früher waren die Camper und die Händler doch immer Stein des Anstoßes." Nun auf einmal können sich manche offenbar zwar Händler ohne Musik, aber keine Musik ohne Händler vorstellen. "Wir müssen das Festival einfach auf ein Level zurückführen, das wir uns leisten können", sagt der Kultur-Chef.

Grund zum Pessimismus sieht er nicht. "Wir haben ja jetzt auch die Chance, dass etwas Neues entsteht." Im August wird darüber vielleicht Klarheit bestehen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Moers Festival 2013: Anke Engelke als Soul Sister

(RP/rl/sgo)
Mehr von RP ONLINE