Neues Datenschutzgesetz in Moers EU-Datengesetz verunsichert die Vereine

Moers · Eigentlich sollten Bürgerrechte bei Google & Co. gestärkt werden. Doch viele Ehrenamtler fürchten Strafzahlungen.

DSGVO - neue EU-Datenschutz-Grundverordnung 2018 verunsichert Vereine
Foto: KGK

Auf Pointen und Kritik an der Obrigkeit versteht sich der Kulturausschuss Grafschafter Karneval. Eigentlich. Doch was seit Mitternacht als europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gilt, hat den Moerser Karnevalisten das Lachen aus dem Gesicht vertrieben. 20 Millionen Euro Strafzahlungen beim kleinsten Verstoß gegen die neuen Regeln? Die Jecken haben einen Rechtsanwalt als Mitglied in den eigenen Reihen. Der habe "drüber geschaut".

Seither halten sie nichts von hektischer Betriebsamkeit, wie Sprecher Manfred Dürig am Telefon sagt: "Wir sehen keinen Handlungsbedarf." Eine RP-Umfrage machte das ganze Kommunikationsversagen der Datenschützer deutlich: Einige Vereinsvorstände schieben Panik, viele spüren Wut auf "die da oben von der EU" und nicht wenige haben sich zu einem stoischen Schulterzucken entschlossen: Die seit Mitternacht geltende Datenschutz-Grundverordnung stürzt die Vereine der Region in eine tiefe Verunsicherung.

"Wir sind schließlich alle ehrenamtlich für unseren Verein tätig", sagt Volker Berendes, Geschäftsführer der St. Nikolaus Bruderschaft Rheurdt. Auch er hat sich entschlossen, die Füße weitgehend still zu halten. Der Verein sei klein. Mit den Daten der Mitglieder hätten nur wenige Vorstandsmitglieder zu tun, deshalb brauche man keinen eigenen Datenschutzbeauftragten. Das persönliche Gespräch sei wichtiger als die Webseite. Berendes sagt, da werde mit Kanonen auf Spatzen geschossen: "Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen ihre Flugtickets auf Facebook posten." Da mache sich niemand Gedanken über völlig ungeschützte Daten. "Aber von uns Vereinen verlangt man jetzt enorme Kraftanstrengungen." Das will Berendes partout nicht einleuchten.

Der Datenschutzbeauftragte der Enni, Holger Kleinekort, leitet in seiner Freizeit den SV Schwafheim. Da wirkt die berufliche Erfahrung beruhigend gegen Panikattacken. Vereine, ganz egal ob im Sport oder im Brauchtum, müssten als erstes ihre Webseite prüfen und anpassen. Da gehe es nicht nur um die Adresslisten von Newslettern. Auch der Einsatz von Analyse-Werkzeugen zum Internetauftritt sammle unter Umständen im Hintergrund persönliche Daten, während auf dem Bildschirm des Web-Administrators Klicks und Nutzerzahlen erscheinen.

Die Datenrichtlinien müssten auf jeden Fall angepasst werden. Wie lange eine solche Anpassung dauert, kann Kleinekort nicht schätzen: "Schließlich ist jeder Verein anders aufgestellt." Beim SV Schwafheim hätten drei Vorstandsmitglieder eine Woche lang intensiv an den Anpassungen gearbeitet. "Und auch wir sind noch nicht fertig", gesteht Kleinekort, der sein Wissen bei der Versammlung des Stadt-Sportverbandes am 5. Juni weitergeben will.

Aus der Sicht von Holger Schlieder, Geschäftsführer des TV Kapellen, kommt diese Initiative viel zu spät: "Ich fühle mich bei diesem Thema ziemlich allein gelassen."

(RP)
Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort