Drogen-Vorbeugung "Hackedicht" im Gymnasium Filder Benden in Moers

Drogen-Vorbeugung im Gymnasium Filder Benden in Moers : Hackedicht oder was?

Die Knappschaft und der Kinderschutzbund warnen an Schulen bundesweit vor den Gefahren von Drogen. Gestern machten sie Station am Gymnasium Filder Benden.

Erster Schultag nach der Herbstferien: Für die Neunt- und Zehntklässler des Gymnasiums Filder Benden steht ein Projekt zur Sucht- und Drogenprävention auf dem Plan. Die Bühne in der Aula gehört Eisie Gulp. Der Comedian und Schauspieler mit bestem bayerischem Akzent liefert das volle Programm. In Kooperation mit der Knappschaft und dem Kinderschutzbund hat er etwas zu sagen. „Cool ist, wenn ihr eure Birne einschaltet und den Mechanismus durchschaut“, sagt Gulp, der im Verlauf der Veranstaltung das Thema Sucht – Zigaretten, Drogen, Alkohol – von den unterschiedlichsten Seiten betrachtet.

Zunächst präsentiert er sich in Partystimmung, die nach immer mehr Bierkonsum entgleitet. Er geht ins Publikum, spricht die Jugendlichen an, fragt nach dem „Warum?“ und liefert typische Antworten. „Alkohol macht lustig. Wir suchen nach dem Glücksgefühl, wollen dann die Sau rauslassen.“ Statt Alkohol lässt sich auch ein Marathon laufen, der noch mehr Glückshormone freisetze, als der Alkohol es kann, so sein Tipp.

In den Schülerreihen wird es mucksmäuschenstill. Eisie Gulp weiß mit einer beeindruckenden Geräusch- und Tonkulisse die Jugend zu fesseln. Der Funke springt schnell über. Wirkliches Heldentum ist nicht mit Suchtmitteln und Pülverchen gruppendynamisch zu erreichen, so Gulp. Ein Raunen geht durch die Reihen, als er vom ersten Kontakt mit einer Zigarette spricht. „11,7 Jahre alt“ ist der Erstkonsument von Tabak. „Eine Droge, die nicht mal ballert, da müsst ihr eher kiffen. Aber die Zigarette sieht eben cool aus“, so Gulp, der dann Geschichte aus der Schicki-Micki-Welt München erzählt. „In der Disco sind ab zwei Uhr nachts die Toiletten besetzt, um das südamerikanische Marschpulver reinzuschniefen.“ Er nennt in der Szene angesagte Drogen, die angeblich die Persönlichkeit bewusster nach außen transportieren. „Das ist doch Kopfschussmentalität“, sagt Gulp, der auf gesundheitliche Folgen und körperlichen Zerfall zu sprechen kommt: Sucht macht krank, abhängig und tötet.

„Das Thema Drogenprävention passt gut zu Schulen“, meinen Luka und Lucie (beide 14). Auch wenn viel in Sachen Prävention über Schulprojekte gemacht werde, ist eine solche Veranstaltung wichtig. „Weil Alkohol ja auch ein Thema in den Familien sein kann“, so Jon (14).

Zwar hat nach neuesten Untersuchungen das „Komasaufen“ in Jugendkreisen nachgelassen, „wie wir durch Rückmeldungen aus Krankenhäusern wissen“, sagt Wolfgang Buschfort von der Knappschaft. Dennoch sind es knapp 4000 Kinder und Jugendliche von zehn bis 17 Jahren, die 2016 in Nordrhein-Westfalen wegen übermäßigem Alkoholkonsum ins Krankenhaus eingeliefert wurden.

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