Moers: Drei Experten zur Lage der (Fußball-)Nation

Moers: Drei Experten zur Lage der (Fußball-)Nation

Martina Voss-Tecklenburg, Helmut Sandrock und Alwin Watzke diskutierten bei den "Moerser Stadtgesprächen".

"Entscheidend ist auffm Platz", doch gesprochen wurde darüber im Enni-Sportpark. Der SCI Moers und der Paritätische Verband hatten im Rahmen der "Moerser Stadtgespräche" mit Martina Voss-Tecklenburg, Helmut Sandrock und Alwin Watzke drei illustre Experten des runden Leders eingeladen, um mit ihnen "Gespräche rund um den Fußball" zu führen.

Moderator Rainer Zimmermann gratulierte Martina Voss-Tecklenburg: Die 125-fache Nationalspielerin sitzt seit kurzem im Aufsichtsrat des Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Die frühere Spielerin und Trainerin des Frauen-Bundesligisten FCR Duisburg berichtete nicht nur über die Anfänge ihrer Karriere, sondern lockte aus ihr auch heraus, dass gerade das Pech im letzten Spiel ihrer Karriere den Weg ins private Glück öffnete. Das Pokalendspiel gegen Frankfurt ging durch Voss' Eigentor kurz vor dem Abpfiff verloren. "Danach hat mich mein späterer Mann angerufen, um zu hören, wie es mir geht. Heute sind wir seit Jahren glücklich verheiratet", verriet sie. Als Trainerin feierte sie ihren bislang größten Erfolg vor neun Jahren mit dem Gewinn des UEFA-Pokals mit dem FCR Duisburg. "Mit Schimmel und kalter Heizung in den Hotels bei unseren Gastspielen in Weißrussland und Kasachstan", erinnert sich die Schweizer Nationaltrainerin.

Auch Helmut Sandrock, als früherer Fußballer in Meerbeck am Ball, hatte seinen Terminkalender auf den Talk ausgerichtet. Kurz vor seiner Rückfahrt nach Karlsruhe, wo der ehemalige Vorstandschef des MSV Duisburg und langjährige DFB-Generalsekretär inzwischen als Geschäftsführer arbeitet, berichtete er von seiner langjährigen Arbeit als Organisator und Turnierleiter für die FIFA. In diesen Bereich fiel auch das erste Länderspiel, das die palästinensische Auswahl auf heimischem Boden austrug.

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Im Rahmen der Ermittlungen rund um das "Sommermärchen", die WM 2006 in Deutschland, hatte der 61-Jährige seine Ämter bei DFB und FIFA niedergelegt. Inzwischen sind alle Verfahren gegen ihn eingestellt - ein Punkt, über den Sandrock, wie er gestand, nicht gerne rede. Alwin Watzke erinnerte an die Zeit, als beim TuS oder dem späteren RSV Meerbeck vor 3000 Zuschauern gespielt wurde und die Prämie fünf Mark betrug. Die Karriere des Moersers, der seinem Verein immer noch verbunden ist, begann mit sechs Jahren, führte über die Niederrheinauswahl mit Spielen vor den Augen des damaligen Bundestrainers Helmut Schön bis hin zur Arbeit als späterer Vereins- und DFB-Stützpunkttrainer. "Wenn ich sehe, wie 13-jährige Spieler von den Spähern der großen Vereine manchmal bis auf die Toilette verfolgt werden, dann graust es mich", sieht er die heutige Entwicklung des Fußballsports kritisch. Ja, man müsse umdenken, pflichtete Voss-Tecklenburg bei, die den Ton und Umgang der Spieler schon bei Jugendspielen kritisierte.

Sandrock erinnerte daran, dass andere Vereine und Nationen auch dank ihrer guten Nachwuchsarbeit aufgeholt hätten; im internationalen Vergleich der Vereine sieht er derzeit lediglich den FC Bayern München in der Lage, mit den Großen Europas mitzuspielen. "Die könnten auch die Champions-League gewinnen", glaubt er. Den Tradtionsvereinen gab er den Rat, sich auf neue Strukturen und Wege einzulassen. "Der Erfolg von gestern ist heute nur noch Makulatur."

(dk)