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Dorothee Achenbach liest in Moers aus "Im Schatten des Mondsterns"

Lesung in Moers : Die Geschichte einer deutsch-türkischen Liebe

Dorothee Achenbach las aus „Im Schatten des Mondsterns“.

Dorothee Achenbach ist mit ihrem ersten Roman „Im Schatten des Mondsterns“ auf Lesereise. In der Moerser Bibliothek machte sie bei ihrer Lesung auf den weiteren Fortgang ihres Romans neugierig. Im Mittelpunkt steht eine deutsch-türkische Liebe, ihre Hürden und Herausforderungen, der Wechsel von Orient und Okzident. Humor und Ironie liegen dicht beieinander, trotz des schweren Stoffs.

„Die Idee zum Roman kam mir, als wir in Deutschland die Flüchtlingskrise erlebten und viel über Integration diskutierten“, erzählte die gebürtige Triererin, die Kunstgeschichte, Literatur- und Politikwissenschaften studierte. In ihrem Buch geht sie in die Vergangenheit und fragt, was türkische Gastarbeiter vor 50 Jahren Jahren im boomenden Deutschland erlebt haben. Im Zuge des Abkommens über die Anwerbung von Gastarbeitern kamen rund 900.000 Türken innerhalb von zwölf Jahren nach Deutschland. Die, die blieben, lebten bis heute „im Schatten des Mondsterns“. „Die Probleme sind geblieben. Fremd in Deutschland und fremd in der türkischen Heimat“, sagte die Autorin.

Für die Buchrecherche unternahm sie ausgedehnte Reisen in die Türkei, sprach mit türkischen Männern und Frauen über diese Zeit. Ihr Roman gibt Einblicke in die 1960er Jahre, als in türkischen Dörfern die Frauen mit den Kindern zurückblieben, weil ihre Männer in Deutschland arbeiteten. Die Geschichte beginnt 1962 mit der Geburt von Bekir. „In einem Dorf, wo ein Schaf mehr als ein Kind wert ist“, so Achenbach. Während Vater und Mutter mit den älteren Kinder nach Deutschland ausreisen, bleibt Bekir zurück und wird an ein kinderloses, gut situiertes Ehepaar in Istanbul verkauft. Achenbach webt eine spannende wie tragische Geschichte, springt detailreich durch verschiedene Zeitebenen zwischen der Türkei und Deutschland hin und her – bis in die heutige Erdogan-Türkei.

Achenbach legte in Moers ein Netz aus, um häppchenweise ihr Publikum einzufangen. Denn die kurzen Passagen aus insgesamt 288 Seiten lassen nur ahnen, wie es mit Bekir, der Jahre später in Deutschland lebt, weitergeht. Autobiografische Motive wie Betrug, Verrat, Verletzung, Leid und Glück lässt Dorothee Achenbach in den Roman einfließen. Ihr persönliches Schicksal mit Ex-Mann Helge, der als Kunstberater millionenschwere Geschäfte mit dem Aldi-Clan machte, hat sie bereits in zwei Autobiografien aufgearbeitet. „Moers kenne ich gut. Mein Ex-Mann saß in der JVA-Kapellen ein“, erzählte sie.

Die Lesung wurde über den Soroptmist-Club mit der Stadtbibliothek koordiniert. „Im Schatten des Mondsterns“ ist im Januar im Droste-Verlag erschienen und kostet 22 Euro.