Woran glaubt Moers?: Dorothea Heeb glaubt . . . an den Vaishnavismus

Woran glaubt Moers?: Dorothea Heeb glaubt . . . an den Vaishnavismus

104.377 Menschen leben in Moers. Jeder für sich ist einzigartig. Viele von ihnen haben starke Überzeugungen, an denen sie ihr Leben ausrichten. In "Woran glaubt Moers?" sollen sie zu Wort kommen.

Es ist 1989. Dorothea Heeb lebt als Grafikdesignerin in Berlin, als sich ihr Leben radikal ändert. Der Fall der Berliner Mauer spielte hierbei jedoch allenfalls eine Nebenrolle. Ihr fällt das "Bhagavadgita", eine zentrale Schrift des Hinduismus in die Hände. "Ich war auf Sinnsuche und habe vieles ausprobiert", sagt sie heute. "Erst der Hinduismus brachte meinem Leben einen Sinn, der klar ist und zudem Spaß macht. Nichts ist Zufall, alles ist Karma."

Heeb zieht in einem Tempel nach Wiesbaden, lebt dort für sieben Jahre. Der Tag ist immer klar strukturiert: Meditation, Mantrasingen, Rituale. Danach zieht sie mit ihrem Mann in ihr Elternhaus. In den umliegenden Volkshochschulen bietet sie heute vor allem Yoga- und Kochkurse an. "Vor dem Essen werden die Speisen geweiht. Alles hat eine mehr oder minder entwickelte Seele, auch Gemüse", erklärt sie.

In ihrem Wohnhaus hat Heeb einen kleinen Altarraum eingerichtet, Menschen aus der gesamten Region kommen zu ihren Festen. Dann wird gemeinsam den alten Weisheiten gelauscht, gesungen und gegessen. "Früher war es manchmal schwer, als Hindu in Deutschland zu leben, heute ist es einfacher. Es gibt vieles, das mir nicht gefällt, aber ich muss ja nicht mitmachen", sagt sie. Heeb stört vor allem der stark ausgeprägte Materialismus.

Sie gehört der hinduistischen Strömung des Vaishnavismus an. Ihr Lebensziel ist es, sich aus dem Kreislauf der Wiedergeburt zu befreien. "Die materielle Welt ist eine Art Gefängnis für diejenigen, die selbst Gott sein wollten. Nun soll die ursprüngliche Form der Seele wieder erreicht werden. Dann geht man zurück zu unserem Gott, Krishna."

(mlat)