Moers: Doku-Film statt Schulalltag

Moers : Doku-Film statt Schulalltag

Fünf Grundschulklassen erlebten gestern beim "Doxs!ruhr"-Festival spannende Einblicke in andere Welten. Möglich machte es das NRW-Kinder- und Jugendförderprogramm "Kulturrucksack".

Dokumentarfilme vermitteln spannende Einblicke in unbekannte Welten. Das konnten am Dienstag insgesamt fünf Moerser Grundschulklassen im örtlichen Atlantic-Kino erleben. Im Rahmen des nordrhein-westfälischen Kinder- und Jugendförderprogramms "Kulturrucksack" war Moers damit zum ersten Mal Teil des bisher alljährlich in Dortmund, Bochum, Essen, Dinslaken und Gelsenkirchen stattfindenden Dokumentarfilm-Festivals "Doxs!ruhr", dessen Ziel es ist, Kinder und Jugendliche verstärkt mit Dokumentarfilmen vertraut zu machen und so in ihrer Urteilskraft über bewegte Medien zu stärken. Für die jungen Moerser Kinobesucher war der Dienstagvormittag dagegen zunächst erst einmal eine aufregende Abwechslung von ihrem gewohnten Schulalltag. Entsprechend unruhig war es zu Beginn in dem fast bis auf den letzten Platz besetzten, großen Kino-Saal. Als wenig später dann eine Mitarbeiterin des "Doxs!ruhr"-Festivals vor die Leinwand trat, wurden alle plötzlich ganz still. "Wer von euch weiß, wie der erste Film heißt, den ihr gleich sehen werdet?" wollte sie nach einer kleinen Begrüßungsansprache als Erstes wissen. Es entstand eine kurze, ratlose Pause. "Vi im schwimmenden Dorf", wusste schließlich ein Junge in der ersten Reihe.

Das stimmte. Vi, so stellte sich in dem nun folgenden, von Bernadette Hauke gedrehten Film gleich zu Anfang heraus, ist ein 13-jähriges Mädchen, das mit seiner Familie in einem auf Pfählen und Regentonnen erbauten Dorf im Küstenmeer Vietnams lebte und sich nichts sehnlicher wünscht, als Schwimmen zu lernen. Bernadette Hauke hatte die 13-Jährige eine Zeit lang bei der Verwirklichung ihres Traumes mit der Kamera begleitet und dabei auch ihren Alltag mit einer Fülle von Filmaufnahmen dokumentiert. Ein für Moerser Grundschüler recht ungewöhnlicher Alltag, wie bei der anschließenden Besprechung deutlich wurde. "Ich dachte zuerst, die sind arm, aber dann doch nicht", meinte zum Beispiel eine Schülerin. Und eine andere meinte: "Die hatten ganz anderes Essen als wir. Tintenfische und sowas."

Der zweite den Moerser Grundschülern an diesem Vormittag gezeigte Film spielte diesmal in Äthiopien und war mit knapp elf Minuten Dauer nur knapp halb so lang wie der erste. In ihm ging es um eine kleine Zirkustruppe namens "Debere Berham", die der deutsche Dokumentarfilmer Lukas Berger 2015 auf einer ihrer Wanderungen durch die Dörfer und Landschaften Äthiopiens begleitet hatte.

Die dabei gezeigten Jonglagen und akrobatischen Kunststücke veranlassten das junge Moerser Kinopublikum zwischendurch immer wieder zu anerkennendem Gemurmel und endeten schließlich nach einer spontanen Zugabenforderung in einem langen, lauten Applaus. "Die hatten gar kein Zelt, wie bei uns", erkannte bei der anschließenden Besprechung ein Schüler und traf damit den Nagel auf den Kopf. Im Gegensatz zu unseren Breiten agierte die äthiopische Zirkustruppe in Lukas Bergers Film ausschließlich unter freiem Himmel, was ein Moerser Schüler sogar viel besser fand als "bei uns".

Die Filmvorführung für die Moerser Grundschüler ab acht Jahren war "nur" der erste Beitrag des "Doxs!ruhr"-Dokumentarfestivals an diesem Dienstag in Moers. Ab 11.30 Uhr hatten Moerser Schüler ab zwölf Jahren die Gelegenheit, sich im Rahmen des gleichen Festivals vier weitere spannende Dokumentarfilme aus Deutschland, den Niederlanden, und Norwegen anzusehen.

(lang)
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