Digitale Hebammen-Beratung: Stadt Moers kooperiert mit "Kinderheldin"

Online-Hebammenberatung für Moerser Eltern : Moers setzt auf Hebammen im Netz

Als erste Stadt kooperiert Moers mit der Online-Hebammenberatung „Kinderheldin“. Werdende Eltern sollen so besser betreut werden.

Bundesweit gibt es einen Mangel an Hebammen. Viele werdende Eltern warten monatelang auf eine persönliche Betreuung oder einen Ansprechpartner für ihre Fragen. Das Startup „Kinderheldin“ möchte diese Versorgungslücke schließen. Ab Januar können Bürger der Stadt Moers die Online-Beratung kostenlos nutzen.

„Kinderheldin“ wurde vor zweieinhalb Jahren mit dem Ziel gegründet, eine digitale Ergänzung zur bestehenden Hebammen-Versorgung aufzubauen. Per Chat, Telefonat oder Video-Call können werdende und frisch gebackene Eltern Fragen von der Schwangerschaft bis hin zur Abstillzeit stellen. „Das sind viele orientierende Fragen, wenn Eltern unsicher sind, ob sie mit einem Problem zum Arzt müssen oder nicht. Aber auch allgemeine gesundheitsbezogene Fragen, zum Beispiel zur Pflege oder Ernährung“, erzählt Dr. Paul Hadrossek, Gründer und Geschäftsführer von „Kinderheldin“. Die Eltern werden von Hebammen fachlich beraten. Täglich kann das Angebot zwischen 7 und 22 Uhr ohne vorherige Terminabsprache genutzt werden.

Bislang übernehmen nur einige bestimmte Krankenkassen die Kosten für eine solche Beratung. Durch die Kooperation der Stadt mit dem Berliner Unternehmen soll allen Moerser Bürgern aber für zwei Jahre eine kostenlose Nutzung der Online-Beratung ermöglicht werden. „Es ist eine sehr spannende Sache für uns, das jetzt in Kooperation mit einer Stadt zu machen“, sagt Hadrossek. Dadurch könne die Online-Beratung dem örtlichen Versorgungsangebot angepasst werden.

„Wir haben gemerkt, das passt gut zusammen“, sagt Vera Breuer, Leiterin des Jugendamts. Gemeinsam mit der Gesundheitshilfe hat das Jugendamt in den vergangenen Jahren ein Unterstützungs- und Beratungsnetzwerk für junge Familien aufgebaut. Die Online-Beratung von „Kinderheldin“ soll nun als weiterer Baustein in das bestehende Netzwerk eingebaut werden und es ergänzen. „Ganz viele Beratungsstellen sind mit dabei“, erklärt Breuer. „Außerdem haben wir Koordinatoren an den beiden Geburtsstationen.“ Die Stellen sollen werdende Eltern über das neue Angebot informieren. Wenn ihre Krankenkasse nicht zu denen gehört, die mit „Kinderheldin“ kooperieren, bekommen sie dort außerdem Gutschein-Codes für die Nutzung der Online-Beratung. Ein solcher Code ist für drei Beratungen gültig.

Finanziell wird die Kooperation durch die Volksbank Niederrhein und den Verein „Bewegen Hilft“ ermöglicht. „Diese Idee, sozusagen eine digitale Hebamme zu platzieren, fanden wir spannend“, erklärt Guido Lohmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Niederrhein und Initiator von „Bewegen Hilft“. „Ich bin selbst vor vier Monaten Opa geworden und bekomme gerade live mit, dass Eltern Informationsangebote brauchen.“

Viele werdende Eltern warten monatelang auf eine persönliche Betreuung oder einen Ansprechpartner für ihre Fragen. Foto: dpa-tmn/Caroline Seidel

Auch Bürgermeister Christoph Fleischhauer freut sich für die werdenden Eltern, die von der Zusammenarbeit profitieren werden. Das Projekt soll aber nicht nur in Moers Wirkung zeigen. „Ich hoffe, dass es eine Katalysator-Wirkung auf die Krankenkassen hat“, erklärt er. Der Hebammenmagel ist ein bundesweites Problem. Fleischhauer hält es daher für wichtig, dass alle Krankenkassen das Angebot von „Kinderheldin“ übernehmen.

Mehr von RP ONLINE