Diebe schlachten BMW in Moers komplett aus

Moers : Ausgeschlachteter BMW ist nicht zu retten

Autoteilediebe leisteten ganze Arbeit. Laut Gutachten liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor. Dabei hat Besitzerin Birgit Thiel den Wagen noch nicht mal abgezahlt.

Eine Woche lang durfte Birgit Thiel hoffen: „Ich dachte, das Auto kann noch repariert werden.“ Doch ihr BMW 114i, den Unbekannte massiv ausgeschlachtet haben, fällt in die Kategorie wirtschaftlicher Totalschaden. Auf 18.300 hat ein Gutachter den Schaden taxiert. Der Wiederbeschaffungswert des Autos, also das, was es vor dem Ausschlachten noch wert war, betrage 10.600 Euro. Eine Reparatur lohnt sich also nicht. Immerhin, den Wiederbeschaffungswert soll Birgit Thiel erhalten. „Aber das Geld geht fast komplett an die BMW-Bank“, sagt die Moerserin, die den Wagen seit vier Jahren abstottert. Die Summe reiche gerade, um ihre Schulden zu begleichen. „Ich komme plus minus null aus der Sache raus.“ Nur: Für ein neues Auto hat sie kein Geld, dabei braucht die in der Pflege tätige 49-Jährige schon von Berufs wegen dringend einen fahrbaren Untersatz.

Vor genau einer Woche hatten sich Diebe an Birgit Thiels Auto zu schaffen gemacht. Sie demontierten die vordere Stoßstange, Scheinwerfer, Motorhaube, die kompletten vorderen Armaturen im Innenraum. Lenkrad, Bordcomputer, Airbags, alles nahmen die Unbekannten mit. Sie gingen allem Anschein nach gezielt und fachmännisch vor. Kabel wurden etwa nicht herausgerissen, sondern säuberlich abgeschnitten. Als Birgit Thiel morgens in ihr Auto steigen wollte, das sie am Vorabend vor ihrem Haus an der Ernst-Holla-Straße abgestellt hatte, traute sie ihren Augen nicht. Keine zehn Meter Luftlinie entfernt liege ihr Schlafzimmer vom Tatort entfernt, und weder sie, noch ihre drei Söhne hätten etwas gehört. Dabei wache sie sonst beim leisesten Geräusch auf.

Der nächtliche Autoteileklau ging durch die Medien. Auch in den sozialen Meiden wurde und wird noch darüber diskutiert. In den inzwischen mehreren hundert Kommentaren stößt man immer wieder auf Ironie, wenn nicht Schadenfreude. „Ich guck mir das gar nicht erst an“, sagt dazu Birgit Thiel. „Wer sich darüber lustig macht, sollte so etwas mal selber erleben…“ Mit dem Ratenkauf des BMW hat sich die Moerserin vor vier Jahren einen Traum erfüllt. „Schon als Kinder war BMW mein Traumauto, während meine Schwester immer von Mercedes geschwärmt hat.“ Vom zunehmenden Autoteileklau hat Birgit Thiel gehört und gelesen. „Aber es hieß, dass die Baujahre 2016/17 begehrt sind. Mein Auto ist von 2014.“

Ihr Auto hat Birgit Wirtz zum Autohaus Fett & Wirtz abschleppen lassen. Bernd Buckenmaier von der Geschäftsleitung des Autohauses vermutet, dass jemand mit den gestohlenen Autoteilen einen frontalen Unfallschaden bei einem anderen BMW reparieren will. „Wir hatten schon ähnliche Fälle“, sagte Buckenmaier am Montag. Es sei schon vorgekommen, dass bei ein und demselben Auto das Navigationssystem mehrfach nachgerüstet und gestohlen wurde. Henning Engelage, Pressesprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft sagte auf Anfrage: „Autoteile klauen ist relativ einfach. Die Teile werden dann oft bei Ebay angeboten.“ Dagegen sei der KFZ-Diebstahl als solcher durch elektronische Wegfahrsperren schwieriger geworden.

Ein Blick auf die Frontpartie des ausgeschlachteten Autos. Foto: Josef Pogorzalek/RP/Josef Pogorzalek

Jetzt, nach Erhalt des Gutachtens, will Birgit Thiel das Kapitel „Traumauto“ so schnell wie möglich beenden. Die Versicherung hat ihr einen KFZ-Händler aus Görlitz genannt, der das, was von dem BMW übrigblieb, für 3400 Euro kaufen möchte. „Dann braucht die Versicherung selbst weniger zu zahlen.“ Den Händler will die Moerserin baldmöglichst kontaktieren. Und dann? Zeitweise kann sie sich die Autos ihrer Schwester und einer Freundin ausleihen. Auf Dauer wird die Mutter von drei Söhnen, davon einer im Studium und einer in der Ausbildung, aber wohl Geld für ein anderes Auto abknapsen müssen. Es wird ein finanzieller Kraftakt. „Ein BMW wird es nicht nochmal werden.“

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