Die "Nacht der Geschichte" lockte viele hundert Neugierige.

MOERS : In 90 Minuten durch Zeit und Raum

Zweite „Nacht der Geschichte“ lockte rund 400 Bürger. In drei Rundgängen wurde Königliches und Kurioses lebendig.

Auch die zweite „Nacht der Geschichte“ fand ein enormes Interesse. Rund 400 Menschen versammelten sich am Samstag kurz vor 19 Uhr vor dem Moerser Schloss. Sie alle waren gekommen, um in den nächsten 90 Minuten an einer ungewöhnlichen Stadtführung, der zweiten Moerser „Nacht der Geschichte“ teilzunehmen. Eingeladen hatte dazu, wie schon im vergangenen Jahr, der „Grafschafter Museums- und Geschichtsverein“ und das Grafschafter Museum in Kooperation mit den örtlichen Stadtführern, dem Kunstverein Peschkenhaus und der Wirtschaftsförderung der Stadt. „Ich finde die Idee, meine Stadt auf diese Weise kennenzulernen, ganz ausgezeichnet. Wie man sieht, gibt es in Moers offenbar ein großes Geschichtsbewusstsein“, meinte Heike Haßbach, eine der Teilnehmerinnen, und ließ ihren Blick dabei über die dicht gedrängte Besucherschar vor dem Moerser Schloss schweifen.

Wie alle anderen hatte sich die 63-jährige Moerserin schon vorab für einen der drei, an diesem Abend angebotenen Rundgänge entschieden. Jeder Rundgang bestand dabei aus fünf verschiedenen Stationen, die jeweils zeitversetzt nacheinander mit fünf Gruppen zu jeweils etwa 20 Teilnehmern besucht werden konnten. Angeführt von einem jungen Mitarbeiter des Moerser Schlossmuseums ging es dabei mit einer Gruppe des Rundgangs zwei zunächst zum Neumarkt. Hier berichtete unterhalb des 1907 zu Ehren des Preußenkönigs Friedrich I. errichteten Denkmals Stadtführerin Eva-Maria Eifert über ihn und andere ehemalige Moerser Majestäten, sowie über den damals ziemlich umstrittenen Abriss des örtlichen Stadttors „Mattorn“.

Anschließend ging es weiter in die Steinstraße, wo Hans-Helmut Eikschen, Mitglied des Moerser „Vereins für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ über die Moerser Judenverfolgung im Dritten Reich berichtete. An der dritten Station vor der evangelischen Stadtkirche wartete dann als nächste Stadtführerin Renate Brings-Otremba, angetan mit einem weißen Umhang, schwarzen Handschuhen und einem riesigen, rosafarbenen Hut auf die Gruppe. „“Sie können sich einfach nicht vorstellen, was hier passiert ist“, begrüßte sie ihre Zuhörer und berichtete anschließend über einen skurrilen historischen Geschlechterstreit um allzu große, den Prediger verdeckende Damenhüte während der Gottesdienste.

Und wieder ging es weiter, zuerst zum Peschkenhaus und zum Schluss noch ins Pumpeneck. In dem ersten der drei Rundgänge konnten die Besucher unter anderem das Schloss, das benachbarte Rosarium und den umliegenden Park besuchen, und im Rundgang drei standen zum Beispiel der Königliche Hof, der Altmarkt und das jüdische Shoa-Mahnmal in der Altstadt auf dem Besichtigungsprogramm. Jeder Stationsbesuch dauerte etwa zwanzig Minuten. Mit einem geselligen Beisammensein im Musenhof klang die zweite „Nacht der Geschichte“ aus.

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