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Interview: Serie Grafschafter Museum Und Rheinische Post Präsentieren Die Schätze Im Schloss: Die Kugel, mit der Moritz Moers befreite

Interview: Serie Grafschafter Museum Und Rheinische Post Präsentieren Die Schätze Im Schloss : Die Kugel, mit der Moritz Moers befreite

1597 befreite Moritz von Oranien die Grafenstadt von der spanischen Besetzung. 2013 übergab Hans Deden dem Museum eine Geschosskugel. Er ist überzeugt: Mit dieser Kugel wurde Moers befreit. Im Schloss hat sie nun einen besonderen Platz.

moers "Schwaches Weibsbild" nannte sich Gräfin Walburgis in ihrem Bittschreiben an den Herzog von Kleve. Vergeblich bat sie ihn darin um Unterstützung gegen die Spanier, die seit 1586 ihre Grafschaft Moers besetzt hielten.

Verwitwet, kinderlos, im Exil - die Lage der Moerser Gräfin schien aussichtslos. In dieser Situation setzte Gräfin Walburgis ihre letzte Hoffnung auf einen weitläufig Verwandten: Moritz von Oranien. 1594 ernannte sie den Sohn des Statthalters der niederländischen Generalstaaten zu ihrem Erben. "Unter den Lebenden" vermachte sie ihm ihre Grafschaft - in der Hoffnung, dass dieser die Grafschaft befreien möge. Ihre Wahl war gut getroffen. Moritz von Oranien war einer der besten Feldherren seiner Zeit. Moritz wurde 1567 als Sohn Wilhelms I. von Oranien und seiner Frau Anna von Sachsen geboren. Nachdem sein Vater 1584 von einem religiösen Fanatiker ermordet worden war, war er Kopf des Hauses Oranien-Nassau. Moritz wurde Statthalter von Holland, Zeeland, später auch von Utrecht, Geldern und Overijssel. Als Generalkapitän übernahm er die Führung des Heeres der niederländischen Provinzen. 1595 versuchte Moritz, Moers zu befreien: In der Dunkelheit schlichen sich seine Truppen an die Befestigung heran. Doch der Tag brach unerwartet früh an. Die spanischen Wachen entdeckten die Angreifer vorzeitig, ihnen blieb nur die Flucht. Doch Moritz von Oranien gab nicht auf: 1597 versuchte er es erneut. Auf seinem Weg Richtung Moers erbeutete er bei der Camillenschanze bei Essenberg spanische Kanonen. Vor den Toren der Stadt Moers besiegten seine Truppen bei der Bonifatiuskirche eine Abteilung der spanischen Armee.

Nachdem Moritz von Oranien seine Geschütze um die Stadt in Stellung gebracht hatte, forderte er den spanischen Befehlshaber, Andreas de Miranda, zur Übergabe von Moers auf. De Miranda weigerte sich. Er werde die Stadt und die Festung für seinen Herrn, den König von Spanien, zu bewahren wissen. Er drohte, die Stadt zur Not in Flammen aufgehen zu lassen.

So begann Moritz von Oranien die Belagerung. Im Zickzack gruben die Oranier unter Kanonendonner Laufgräben so nah an die Stadtbefestigung, dass sie den Sturm wagen konnten. Doch dann entsandte de Miranda einen Boten, der die Übergabe der Stadt anbot, wenn die Spanier ehrenvoll mit Fahnen, Waffen und Kanonen abziehen dürften. Am 8. September 1597 zogen 830 spanische Soldaten begleitet von Trommlern und Pfeifern aus Moers ab.

Kurz vor der Wiedereröffnung des Grafschafter Museum brachte Hans Deden das letzte Exponat in Ausstellung - eine eiserne Geschosskugel. Der ehrenamtliche Denkmalpfleger hatte die Kugel gefunden, als die Altstadt Ende der 70er-Jahre saniert wurde. Hans Deden weiß noch genau, wo er die Kugel gefunden hat: Am Fuß der Stadtmauer der Altstadt im Bereich des ehemaligen Gymnasiums Adolfinum. Hans Deden ist überzeugt: Diese Kugel stammt aus den Kämpfen, als Moritz von Oranien 1597 Moers befreite. Ob das stimmt? Es ist auf jeden Fall eine schöne Geschichte. Im Museum fand die Kugel ihren Platz - eingebaut in die Vitrinenwand, auf der die Befreiungsszene aus dem Jahr 1597 zu sehen ist.

(RP)