Moers: Die große Lust an der Schnäppchenjagd

Moers : Die große Lust an der Schnäppchenjagd

Der Moerser Trödelmarkt zog gestern wieder zahlreiche Anbieter und Schnäppchenjäger an. Wegen schlechten Wetters wurde er am Nachmittag allerdings vorzeitig abgebrochen. Wir haben uns in aller Frühe auf dem Markt umgeschaut.

Wenn die ersten Gäste am Vormittag über den Moerser Trödelmarkt bummeln, auf Schnäppchenjagd gehen, haben die Aussteller bereits die erste Schicht hinter sich. Auto parken, auspacken, den Stand mit Tapeziertisch aufbauen und möglichst geschickt die verlockenden Schätze drapieren, gehört mit zu den ersten Übungen am Sonntagmorgen in der Innenstadt. Die Stadt ist bereits lange vor dem offiziellen Start des Trödelmarkts voll. Schnäppchenjäger sichten, reservieren oder nehmen gleich mit, bevor alle Kisteninhalte ausgepackt sind und das Auto auf einem Parkplatz steht. Bekanntlich fängt der frühe Vogel den Wurm.

Foto: Sabine Hannemann

Das Geschäft mit Kunst und Trödel, Klamotten, Raritäten und Kuriositäten beginnt. Mit von der Partie sind erfahrene Trödler wie auch Frischlinge. Schon lange dabei: Monika und Sabine. Im Angebot haben sie beispielsweise eine schwere rustikale Lampe aus den 1950er Jahren mit Lampenschirm aus Schweinshaut oder eine Echthaar-Perücke auf dem dazugehörigen Perückenkopf. "Die Zweitfrisur war in den 1960er Jahren üblich", meint Sabine. Auch "Marke Vintage" ist eine Schale als übergroßes Blattmotiv mit dazugehörigen Tellerchen. Hinter jedem Stück steckt eine Geschichte. Schätze eben, die aus dem Privathaushalt stammen, zur Zeitreise einladen und auf einen neuen Besitzer waren. Wie auch ein nagelneuer Koffer, für den es bereits Nachfragen gab. "Sachen, die morgens schon gut nachgefragt werden, verkaufe ich nicht direkt und lasse mich auch nicht drängen. Der Tag ist noch jung", sagt Sabine.

An anderer Stelle werden afrikanische Wohnaccessoires angeboten, "weil wir jetzt anders eingerichtet sind", heißt es. Alte Schreibmaschinen, Wecktöpfe oder Kaffeemaschinen gibt es einen Stand weiter. Früher wurden mehr Haushaltsgeräte wie Toaster oder Mixer verkauft. Doch gerade die Massenware aus den Discountern macht einen Weiterverkauf, weil nicht mehr gebracht, eher uninteressant.

Susanne Meier richtet sich gerade an ihrem kleinen Stand ein. "Zum zweiten Mal bin ich dabei", erklärt sie. Die Mischung macht es. Der Moerser Trödelmarkt hat einen guten Ruf, der bis in die Niederlande reicht. Raritäten hat sie auch, beispielsweise für Petrijünger. Sie fischt nach einer kleinen Schatulle. "Das perfekte Geschenk. Manschettenknöpfe mit Forellenmotiv", erklärt sie.

Klein und fein der Stand vor Gudrun Herrmann. "Was ist das denn?", fragt eine Passantin und hat eine elegante silbrige Gerätschaft in der Hand. Auf der Unterseite ist eine Bürste sichtbar. Schnell ist das Geheimnis gelüftet. Die Tischbürste fegt Brotkrümel auf. Zu ihren Schätzen gehört neben einer alten Messinglampe ein Rosenthal-Teller, den sie vorsichtig auspackt. "Der Teller ist von 1930 und wurde meinen Eltern 1947 zur Hochzeit geschenkt", erklärt sie die Lebensgeschichte des Porzellans.

Beim Bummeln an den Ständen lassen sich viele kuriose Dinge entdecken, wie ein Waschgeschirr mit Krug, Schüssel und Nachttopf. Englische Ware, die aus der Zeit stammt, als fließendes Wasser im Zimmer noch nicht zum Standard gehörte. Die Jagd nach den Schnäppchen, nach Kuriosem und Außergewöhnlichem macht auf beiden Seiten Spaß. "Weil wir ganz verschiedene Leute kennenlernen und nette Gespräche haben", sagen Monika und Sabine.

Die Händlermeile vom Königlichen Hof über Seitenstraßen bis Ende der Neustraße wird proppenvoll. Wichtig für die Händler sind vor allem Sonnenschirm und Sonnenschutz. Erst am frühen Nachmittag kommt der Regen, die Organisatoren brechen gegen 15.30 Uhr vorzeitig ab. "Zuvor war der Besuch hervorragend und die Trödlerinnen und Trödler freuten sich über einen umsatzstarken Sonntag", bilanziert Michael Birr (Moers Marketing).

Vorbehalten bleibt der Handel mit Geerbtem, Getragenem und nicht mehr benötigten Gegenständen an über 300 Standplätzen zu 75 Prozent Moersern. 25 Prozent werden von auswärtigen Gästen genutzt. Der nächste Trödelmarkt in Moers findet am 29. Juli statt, die Bewerbungsfrist endet am 10. Juni. www.moers-stadtportal.de

(sabi)
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